Der heißeste und der kälteste Ort Niedersachsens liegen in Göttingen



- Am DLR-Standort Göttingen befinden sich der heißeste und der kälteste Ort Niedersachsens nur wenige hundert Meter voneinander entfernt – mit Temperaturen von bis zu 10.000 Grad Celsius im Hochenthalpiekanal und von bis zu minus 269 Grad Celsius in der Simulationsanlage für Treibstrahlen.
- In den Großforschungsanlagen simulieren Forschende die extremen Bedingungen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und im Weltraum, um Raumfahrzeuge, Satelliten und Antriebstechnologien zu testen.
- Die europaweit einzigartige Forschungsinfrastruktur am DLR-Standort Göttingen liefert wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung der nächsten Generation von Luft- und Raumfahrttechnologien.
- Schwerpunkt: Raumfahrt
Wer den wohl heißesten und den kältesten Ort Niedersachsens sucht, wird nicht in Wetterstatistiken fündig. Beide Extreme liegen nur wenige Meter voneinander entfernt auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen.
Im Hochenthalpiekanal Göttingen (HEG) erreichen Forschende bei Experimenten Temperaturen von bis zu 10.000 Grad Celsius. Damit ist das Testgas zeitweise sogar heißer als die Sonnenoberfläche. In der Anlage werden die extremen Bedingungen simuliert, denen Raumfahrzeuge beim Eintritt in die Erdatmosphäre ausgesetzt sind. Geschwindigkeiten von bis zu sieben Kilometern pro Sekunde und die dabei entstehenden hohen Temperaturen ermöglichen es, die Belastungen von Hitzeschutzsystemen, Raumkapseln und zukünftigen Hyperschallflugzeugen realitätsnah zu untersuchen.
Der 62 Meter lange und 280 Tonnen schwere Hochenthalpiekanal ist europaweit einzigartig. Die eigentliche Messung dauert oft nur wenige Millisekunden. Dennoch liefern diese kurzen Experimente entscheidende Daten für die Entwicklung neuer Raumfahrzeuge und für die Validierung moderner Simulationsverfahren.
Wenn Raumfahrzeuge zur Feuerkugel werden
Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wird die Luft vor einem Raumfahrzeug extrem verdichtet und aufgeheizt. Die dabei entstehenden Temperaturen und chemischen Prozesse stellen höchste Anforderungen an Materialien und Konstruktionen. Im HEG können diese Bedingungen unter kontrollierten Laborbedingungen nachgebildet werden. Die Anlage gehört zu den bedeutendsten Forschungsinfrastrukturen ihrer Art weltweit und unterstützt nationale wie internationale Raumfahrtprogramme.
Fast so kalt und leer wie im All
Nur wenige Schritte entfernt befindet sich die Simulationsanlage für Treibstrahlen (STG). In ihren großen Vakuumkammern erzeugen die Forschenden Bedingungen, wie sie im Weltraum herrschen: extrem niedrige Drücke und Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt bis minus 269 Grad Celsius. Hier werden elektrische Raumfahrtantriebe getestet, ihre Lebensdauer untersucht und die Auswirkungen ihrer Teilchenstrahlen auf Satelliten und Raumfahrzeuge analysiert.
Die Anlage ermöglicht es unter anderem, Schubkräfte präzise zu vermessen, die Ausbreitung von Teilchenstrahlen zu analysieren und das Verhalten neuer elektrischer Antriebssysteme für zukünftige Satelliten- und Raumfahrtmissionen zu erforschen.
Extreme Bedingungen für die Technologien von morgen
Die beiden Großforschungsanlagen stehen beispielhaft für die Bandbreite der Forschung am DLR-Standort Göttingen. Während der Hochenthalpiekanal die extremen Temperaturen und Belastungen eines Wiedereintritts in die Atmosphäre simuliert, schafft die Simulationsanlage für Treibstrahlen die nahezu luftleeren Bedingungen des Weltraums. Gemeinsam liefern sie wichtige Erkenntnisse für sichere Raumfahrzeuge, leistungsfähige Satelliten und die nächste Generation von Luft- und Raumfahrttechnologien.