Offene Websuche und KI – Europas Unabhängigkeit im Netz

- Das Symposium findet vom 7. bis 9. Oktober 2026 in Berlin statt und steht unter dem Motto „Boosting Digital Sovereignity“.
- Es geht darum, wie ein offenes, unabhängiges und vielfältiges Webdaten-Ökosystem in Europa entstehen kann.
- Ausgerichtet wird die Veranstaltung von der Open Search Foundation e.V., mit Unterstützung des DLR.
- Schwerpunkte: Digitalisierung, künstliche Intelligenz
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist Gastgeber des Internationalen Open Search Symposiums, das vom 7. bis 9. Oktober 2026 in Berlin stattfindet. Unter dem Motto „Boosting Digital Sovereignity“ geht es darum, wie Europa eine offenes, unabhängiges und vielfältiges Webdaten-Ökosystem schaffen kann. Ziel ist es, Ideen und Konzepte der offenen Internetsuche und Webanalyse, insbesondere im Kontext von künstlicher Intelligenz (KI) weiterzuentwickeln. Das Symposium richtet sich an Forschende, Datenzentren, Bibliotheken, politische Entscheidungstragende, Rechts- und Ethik-Expertinnen und -Experten sowie die interessierte Öffentlichkeit.
„Eine offene, transparente und verteilte Websuche ist ein strategisches Infrastrukturthema für Europa – vergleichbar mit der Bedeutung der unabhängigen Satellitennavigation durch Galileo – nur hier eben für die digitale Navigation im Web. Mit dem diesjährigen Symposium bringt das DLR die internationale Open-Search-Community nach Berlin und zeigt, wie offene Websuche, Webanalyse und KI für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar gemacht werden können“, sagt Stéphane Beemelmans, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des DLR.
Auf dem Campus der CODE University of Applied Sciences in Berlin werden rund 100 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Informatik, Recht, Ethik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erwartet, um die Entwicklungen der europäischen Websuche und KI zu diskutieren und in Workshops voranzutreiben. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von der Open Search Foundation e.V. (OSF), mit Unterstützung des DLR.
Webdaten – ein zentraler Rohstoff
Daten sind der wichtigste Rohstoff im Informationszeitalter. Ein neutraler, transparenter und angemessener Zugang zu Daten, Information und Wissen ist Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Informationswirtschaft. Offene Websuche und Webanalyse sind daher zentral für digitale Souveränität, datengetriebene Forschung und die Nutzung des europäischen Webdaten-Potenzials. Diese Daten sind auch unverzichtbar für das Trainieren und aktuelle Betreiben von KI-Systemen.
„Jedoch ist der Zugang zu Daten und Informationen im Internet heute vor allem über Netzwerkmonopole möglich – welche ihre Informationen abhängig von ihren wirtschaftlichen oder politischen Interessen bereitstellen. Europa verfügt über keinen eigenen, umfassenden Webindex“, erklärt Stefan Voigt, Projektleiter des Projekts OpenSearch@DLR. Es gibt weltweit nur vier große Suchmaschinenbetreiber, die einen umfassenden, jedoch proprietären Web-Index haben: Google, Bing (USA), Baidu (China) und Yandex (Russland).
Ein Web-Index ist die Inventur oder eine Art Kartei aller Informationen und Dokumente, die über das Internet zugänglich sind. Er ermöglicht es, das Internet schnell zu durchsuchen und bildet die Grundlage für Suchmaschinen und viele andere Dienstleistungen im Web. Der Index muss dabei stetig aktualisiert werden. Dafür sind sogenannte „Webcrawler“ zuständig – Programme, die Webseiten durchsuchen und neue Inhalte automatisch extrahieren und indexieren.
Digitale Souveränität für Europa
Für das Speichern und Aktualisieren eines aktuellen Web Index ist ein gigantisches Rechenzentrum notwendig oder – und das ist die Idee für Europa – ein Netzwerk von vielen bestehenden Rechenzentren, die sich die Aufgabe teilen. Das DLR engagiert sich dazu in der europäischen Open-Search-Initiative mit den Projekten OpenSearch@DLR und OpenWebSearch.EU. Ziel ist eine offene, kooperative Infrastruktur für Webcrawling, Indexierung, KI-gestützte Suche, Analyse und Wissensgraphen im Web.
Das Open Search Symposium stärkt die Vernetzung auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene in diesem Bereich.
Weiterführende Links
Über die Open Search Foundation
Die Open Search Foundation e.V. (OSF) koordiniert eine europäische Initiative von Menschen und Organisationen mit dem gemeinsamen Ziel, die Grundlagen für eine offene, transparente und unabhängige Internetsuche in Europa und darüber hinaus zu schaffen. Der gemeinnützige Verein ist interdisziplinär ausgerichtet und arbeitet mit Forschungsseinrichtungen, Rechenzentren und weiteren Partnern. Kooperationen, die Förderung der Forschung im Bereich Suchmaschinen sowie die Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit gehören zu ihren Säulen. Die institutionellen Mitglieder umfassen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Universität Passau, das Institut für Human-Centered Computing (HCC) an der Technischen Universität Graz und das finnische Großrechenzentrum CSC – IT Center for Science.