20. März 2026 | Das System Erde im Blick

Vierjähriges Bestehen der deutschen Satellitenmission EnMAP

  • Die deutsche Umweltmission EnMAP feiert ihr vierjähriges Bestehen.
  • EnMAP liefert genaueste Daten über den Zustand von Pflanzen, die Boden- und Wasserqualität der Erde.
  • Die Daten sind für Rohstofferkundung, Ernährungssicherheit und Umweltüberwachung essenziell.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Erdbeobachtung

Unter dem Motto „Mehr als alle Farben – EnMAP: Erfolg und Vision“ wurde am 10. März 2026 das vierjährige Bestehen der Satellitenmission gefeiert. Rund 100 Fachleute aus Politik, Behörden, Wissenschaft, Wirtschaft und internationalen Organisationen kamen zusammen, um über die Erfolge der Mission zu sprechen und auf ihre Zukunft zu blicken. Die Mission wird von der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geführt. Zudem ist EnMAP (Environmental Mapping and Analysis Program) der erste in Deutschland entwickelte und gebaute Hyperspektralsatellit.

Rohstoffsicherung, Landwirtschaft, Klimaschutz

Die Mission liefert wichtige Daten, die in den Bereichen Rohstoffsicherung, Landwirtschaft, Klimaschutz und Verwaltung bereits heute konkrete Wirkung entfalten. Sie zeigen, wie wichtig es ist, dass Europa in der hyperspektralen Fernerkundung technologisch souverän bleibt. Beispielsweise kann EnMAP die Lagerstätten Seltener Erden auffinden, die für die Produktion von Hochtechnologieprodukten wie Elektromotoren, Smartphones oder Windkraftanlagen essenziell sind. Insbesondere in der aktuellen geopolitischen Lage ist diese Fähigkeit hoch relevant. Wer kritische Rohstoffe identifizieren kann, bevor sie knapp werden, verschafft sich Handlungsspielräume.

„EnMAP ist weit mehr als eine erfolgreiche Mission, sondern ein industriepolitisches Signal. Deutschland hat das Know how im Bau und Betrieb hyperspektraler Systeme ebenso wie in der datenbasierten Auswertung und industriellen Anwendungsentwicklung aufgebaut. Dieser Kompetenzaufbau macht uns zu einem gefragten Partner in internationalen Kooperationen – europäisch mit der ESA, global und in bilateralen Projekten. Um diese wissenschaftliche Führungsrolle und unsere technologischen Fähigkeiten weiter auszubauen, wollen wir die Mission fortführen“, sagt Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

„Die hohe Datenqualität macht EnMap zu der globalen Referenz für heutige und zukünftige Hyperspektrale Missionen und zu einem präzisen Messinstrument für unsere Umwelt. Mehr als 5.000 registrierte Nutzende entwickeln mit EnMAP Produkte für die Zukunft unseres Planeten“, sagt Dr. Anke Pagels-Kerp, Bereichsvorstandsmitglied Raumfahrt des DLR.

Silke Migdall, Chief Operating Officer der Firma Vista betont: „Mit EnMAP-Daten können unsere satellitenbasierten Dienste für die Landwirtschaft für die Zukunft gestärkt werden. So können erstmals neben Ertragsmengen auch Aussagen über die Ertragsqualität gemacht werden, was im Rahmen der Ernährungssicherheit eine wichtige Komponente ist. Auch präzisere Aussagen über den Humusgehalt im Boden und damit über seine CO2- Senkfunktion können mit Hilfe der EnMAP-Daten erzielt werden. Die Kontinuität der EnMAP-Daten ist essentiell für uns um das volle Potential der Hyperspektraldaten für die Weiterentwicklung unserer innovativen Dienste erfolgreich voranzutreiben und gewinnbringend einzusetzen.“

Deutsche Spitzentechnologie für europäische Souveränität

Mit seinem Hyperspektralinstrument kann EnMAP über 240 Farbkanäle wahrnehmen. Damit ist es das derzeit präziseste Instrument seiner Art im Orbit und kann kleinste Details und Veränderungen der Erdoberfläche wahrnehmen. Diese Daten bieten für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wichtige Beiträge – nicht nur durch das Monitoring des Klimawandels per Satellit, sondern auch in Hinblick auf:

  • Management natürlicher Ressourcen: EnMAP ermöglicht es, den Zustand von Ökosystemen weltweit zu überwachen. Durch die Analyse der Bodenbeschaffenheit und Vegetation können Wasserressourcen effizient genutzt und Ökosysteme gezielt geschützt werden.
  • Ernährungssicherheit: Dank der hyperspektralen Bildgebung lässt sich der Gesundheitszustand von Nutzpflanzen sowie Stressfaktoren wie Nährstoffmangel oder Trockenheit frühzeitig erkennen. Das ist die Basis für eine präzise, nachhaltige Landwirtschaft, die Erträge sichert.
  • Rohstoffe & Seltene Erden (REE): Der Satellit identifiziert spezifische mineralogische Fingerabdrücke. Dies unterstützt nicht nur die Exploration wichtiger Rohstoffe und Seltener Erden, sondern hilft auch dabei, die Umweltauswirkungen des Bergbaus zu minimieren.
  • Klimaschutz & Treibhausgase: Ein entscheidender Vorteil von EnMAP ist die Detektion von Gasemissionen. Insbesondere bei der Identifizierung von Methan-Punktquellen (zum Beispiel Leckagen an Pipelines oder Deponien) leistet die Mission einen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen.

Mit diesen Fernerkundungsdaten leistet EnMAP einen wichtigen Beitrag für die Sicherung der natürlichen Ressourcen und damit für Europas Souveränität. Dies gelingt durch die weltweite Technologieführerschaft auf diesem Gebiet.

Hintergrund: Die Umweltsatellit EnMAP/Die Mission EnMAP

EnMAP ist am 1. April 2022 vom NASA-Raumflughafen Cape Canaveral in Florida mit einer Falcon-9-Rakete des Unternehmens SpaceX ins All gestartet. Die Mission wird von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geführt. Mit der Entwicklung und dem Bau des Satelliten sowie des Hyperspektralinstrumentes wurde die OHB-System AG beauftragt. Die Mission steht unter der wissenschaftlichen Leitung des GeoForschungszentrums Potsdam (GFZ).

Mit dem Aufbau und dem Betrieb des Bodensegments sind drei Institute und Einrichtungen des DLR betraut: Das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) in Oberpfaffenhofen betreibt den Satelliten. Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum und das DLR-Institut für Methodik der Fernerkundung archivieren, prozessieren und validieren die Satellitendaten und machen sie zugänglich.

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Kontakt

Dr. Gregor Hecker-Twrsnick

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Deutsche Raumfahrtagentur im DLR
Kommunikation & Presse
Königswinterer Straße 522-524, 53227 Bonn
Tel: +49 228 447-221