Wo Lava fließt und Winde wehen: die Region rund um den Tafelberg Amazonis Mensa auf dem Mars


NASA/JPL/USGS/MOLA; FU Berlin

- Neue Aufnahmen der deutschen Stereokamera HRSC an Bord der Mission Mars Express zeigen eine Region am Übergang von Daedalia Planum zum Tiefland von Amazonis Planitia.
- Im Mittelpunkt steht der südliche Teil des Tafebergs Amazonis Mensa und dessen Umgebung.
- Die Region blickt auf eine lange Geschichte vulkanischer Aktivität und windbedingter Erosion zurück.
- Besonders auffällig sind markante, lineare Grate sowie Einschlagskrater in unterschiedlicher Ausprägung.
- Schwerpunkte: Exploration, Mars, HRSC-Kamera
Neue Aufnahmen der hochauflösenden Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera) an Bord der europäischen Mission Mars Express nehmen uns mit in eine Region am Äquator des Mars, in der sich eigenartige, langgestreckte Berge wie Finger in die Landschaft erstrecken. Die HRSC ist ein Kameraexperiment, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde und betrieben wird.
Zu sehen ist eine Region am Übergang von Daedalia Planum, einem Teil der markanten Vulkanregion Tharsis, zum Tiefland von Amazonis Planitia. Die HRSC-Aufnahmen zeigen den südlichen Teil von Amazonis Mensa und seine Umgebung. Der Name „Mensa“ leitet sich vom lateinischen Wort für „Tisch“ ab und bezeichnet in der Geologie einen Tafelberg. Neben Gordii Dorsum im Osten und Eumenides Dorsum im Westen ist Amazonis Mensa einer von drei markanten Bergrücken in dieser Region. Obwohl er der kleinste der drei ist, erstreckt sich Amazonis Mensa immerhin über eine Länge von mehr als 400 Kilometern. Allen drei Strukturen gemeinsam sind ihre längliche Form und ihr allmählich zum Tiefland hin abnehmendes Relief. Zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt von Amazonis Mensa liegen rund 2.600 Höhenmeter.
Landschaft im Wandel
Die Region blickt auf eine lange Geschichte vulkanischer Aktivität und windbedingter Erosion zurück. Hinweise darauf lassen sich an der Form und Beschaffenheit der Oberfläche ablesen. Auf der linken, südlichen Seite des Bildes sieht man mehrere Einschlagskrater. Einige von ihnen sind mit glattem Material gefüllt, während andere ihre ursprüngliche innere Struktur weitgehend bewahrt haben.

In den Aufnahmen ist außerdem ein etwa 50 Kilometer langes und vergleichsweise breites Tal zu erkennen. Einige Kilometer weiter westlich – im Bild oberhalb davon – befindet sich ein schmaler Kanal , der, ebenso wie das zuvor beschriebene Tal, abrupt an einer sehr glatten Fläche endet. Bei dieser glatten Oberfläche handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Überreste von Lavaströmen aus der Frühzeit des Mars. Sie überlagerten bereits vorhandene Einschlagskrater, von denen einige verfüllt und andere vollständig von den Lavaströmen begraben wurden, sowie Täler und Kanäle. Dadurch formten sie die Landschaft dieser Region grundlegend um.
Die Kraft des Windes
Obwohl die Marsatmosphäre im Vergleich zur Erdatmosphäre extrem dünn ist, hat auch der Wind in der Region um Amazonis Mensa deutliche Spuren hinterlassen. Besonders auffällig sind die markanten, linearen Grate, die als Jardangs (yardangs) bezeichnet werden. Diese langgestreckten, schmalen Rücken entstehen durch Winderosion: Vom Wind mitgeführte Sandpartikel wirken dabei wie ein natürliches Sandstrahlgebläse und schleifen die Oberfläche über lange Zeit ab.
Die Jardangs sind unterschiedlich ausgerichtet. Ursache dafür sind Windströmungen, die durch die Topographie von Amazonis Mensa beeinflusst und abgelenkt wurden. Die Jardangs orientieren sich dabei jeweils parallel zur vorherrschenden Windrichtung. Amazonis Mensa muss zudem aus vergleichsweise wenig widerstandsfähigem Material bestehen, damit der Wind es über lange Zeit so stark abtragen konnte.
Hintergrundinfo: Bildbearbeitung |
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Die Bilder wurden am 14. Juni 2026 während der Mars-Express-Umlaufbahn 28328 von der HRSC aufgenommen. Die Bodenauflösung beträgt etwa 24 Meter pro Pixel, und das Bild ist auf etwa 3 Grad südlicher Breite und 215 Grad östlicher Länge zentriert. Das Farbbild wurde unter Verwendung von Daten des Nadir-Kanals – dessen Sichtfeld senkrecht zur Marsoberfläche ausgerichtet ist – sowie der Farbkanäle der HRSC erstellt. Die schräge perspektivische Ansicht wurde aus dem digitalen Geländemodell sowie dem Nadir- und den Farbkanälen der HRSC generiert. Das Anaglyphenbild, das bei Betrachtung mit einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadir-Kanal und einem Stereokanal abgeleitet. Die farbcodierte topografische Ansicht basiert auf einem digitalen Geländemodell (DGM) der Region, aus dem sich deren Topografie ableiten lässt. |
Weiterführende Links
HRSC auf Mars Express
Die hochauflösende Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera) wurde am DLR entwickelt und in Zusammenarbeit mit Beteiligung aus der Industrie gebaut (EADS Astrium – heute Airbus –, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Daniela Tirsch, Principal Investigator (PI) besteht aus 50 Co-Investigatorinnen und Co-Investigatoren aus 35 Institutionen und elf Ländern. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Weltraumforschung (ehemals DLR-Institut für Planetenforschung) in Berlin-Adlershof betrieben.