CALLISTO – Träger-Innovation für die aufrechte Landung



Um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Raumfahrtindustrie sicherzustellen, ist es wichtig, die Kosten für den Transport von Nutzlasten ins All zu senken. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Wiederverwendbarkeit von Raketenstufen. Das Gemeinschaftsprojekt der Japanischen Raumfahrtagentur JAXA, der französischen Raumfahrtagentur CNES und des DLR – CALLISTO (Cooperative Action Leading to Launcher Innovation in Stage Toss back Operations) setzt hier an. Der Demonstrator, wie viele Raumfahrtprojekte benannt nach einer Figur aus der altgriechischen Mythologie, zielt im Kern darauf ab, die Kenntnisse über vertikal startende und vertikal landende Raketenstufen (VTVL – Vertical takeoff, vertical landing) zu verbessern. Fähigkeiten und Technologien für eine wiederverwendbare Raketenstufe sollen durch CALLISTO entwickelt und demonstriert werden.
Der Demonstrator ist dreizehn Meter hoch und mit ausklappbaren aerodynamischen Steuerflächen sowie ausklappbaren Landebeinen ausgestattet. Angetrieben wird das Raumfahrzeug von einem einzigen Raketentriebwerk, die eine Mischung aus flüssigem Sauerstoff (LOx) und Wasserstoff (LH2) als Brennstoff nutzt. Die Abläufe rund um den Start sind bei CALLISTO automatisiert – Zündung, Einschuss in die vordefinierte Flugbahn, Abschalten und Wiederzündung des Triebwerks, Ausfahren des aerodynamischen Flugsteuerungssystems (Finnen). Für die Flugphase entwickelt das DLR zusammen mit JAXA Algorithmen, die es erlauben, die Bahn während des Fluges zu optimieren.

Video: CALLISTO (engl.)
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Ein Zusammenspiel von Theorie und Praxis
Warum benötigt man einen Demonstrator, wenn doch die Simulationsmethoden inzwischen sehr ausgefeilt sind? Mit Tests unter realen Bedingungen können die an CALLISTO beteiligten Fachleute sicherstellen, dass die am Computer errechneten Flugeigenschaften und -verhaltensweisen auch in Realität zutreffen. Darüber hinaus helfen die im Flugexperiment gewonnenen Daten bei der Weiterentwicklung von Simulationstools im Hinblick auf die Genauigkeit ihrer Prognosen. Das Zusammenspiel von numerischer Theorie und physikalischer Praxis ergibt letzten Endes das zuverlässige Gesamtbild. Die Projektbeteiligten erwarten darüber hinaus wichtige Erkenntnisse in punkto Wirtschaftlichkeit von wiederverwendbaren Stufen, weil auch die Prozesse am Boden – Herstellung, Transport, Wartung zwischen Flügen, Betrieb von Kontrollzentren – genau untersucht und mit der Planung verglichen werden. Insgesamt sollen bei CALLISTO durch Simulation und reale Erprobung eines Demonstrators Methoden und Modelle für wiederverwendbare Raketenstufen verifiziert, verbessert und optimiert werden.
Trilaterale Kooperation

Herausforderung Touchdown: CALLISTO landet vollkommen automatisch
Das Besondere an CALLISTO ist, dass auch der Landevorgang automatisch abläuft: Das Triebwerk zündet erneut, um die Fallgeschwindigkeit zu senken, die Landebeine klappen aus, das Landesystem absorbiert die verbleibende Bewegungsenergie, wodurch das Vehikel sicher und stabil aufrecht landen kann.
In der Animation oben sieht dies für Laien unspektakulär aus, doch bei hoher Fallgeschwindigkeit und einem Schub-Gewicht-Verhältnis von über 1,3 ist ein solcher „Touchdown“ alles andere als einfach zu realisieren. Es ist ungefähr so, als würde ein Autofahrer oder eine Autofahrerin versuchen, mit über 250 Kilometern pro Stunde (CALLISTO fällt mit über 800 Kilometer pro Stunde) auf eine Garage zuzufahren, um kurz vorher eine Vollbremsung hinzulegen, um in der Garage passend anzuhalten.
Mindestens fünf unterschiedliche Missionen sollen mit demselben Raumfahrzeug vom europäischen Startplatz Kourou in Französisch-Guayana durchgeführt werden. Dabei soll sich der Schwierigkeitsgrad bei jedem Test erhöhen. Während die ersten Flüge lediglich einige Meter vom Boden abheben, soll der finale Demonstrationsflug bis über zehn Kilometern Höhe erreichen und unter Bedingungen ablaufen, die es erlauben, Manöver durchzuführen, die für eine operationelle VTVL-Stufe relevant sind.
Nachrichten zu CALLISTO
Projekt CALLISTO – Cooperative Action Leading to Launcher Innovation in Stage Toss back Operations
- Laufzeit: 1. Januar 2019 bis 31.Dezember 2026
- Federführendes Institut: DLR-Institut für Raumfahrtsysteme
- Projektphase A bis C
Projektart: Grundfinanziert
Fördermittelgeber: DLR-Programmdirektion Raumfahrt - Projektphase D bis F
Projektart: Drittmittelfinanziert
Fördermittelgeber: Deutsche Raumfahrtagentur im DLR mit Mitteln aus dem nationalen Raumfahrtprogramm
Beteiligte Institute und Einrichtungen
Weiterführende Links
- Artikel aus dem DLRmagazin 176: Wie Raketen wiederverwendbar werden
- CALLISTO-Special auf der Website des DLR-Instituts für Bauweisen und Strukturtechnologie
- Projektinformationen auf der Website der französischen Raumfahrtagentur CNES (engl.)
- Projektinformationen auf der Website der japanischen Raumfahrtagentur JAXA (engl.)








