50 Jahre Deutsch-Niederländische Windkanäle: Europäische Erfolgsgeschichte der Luftfahrtforschung

Klaas Eissens

DNW

Clean Sky 2 Joint Undertaking (JU)
- Die Stiftung Deutsch-Niederländische Windkanäle (DNW) feiert am 30. Juni 2026 ihr 50-jähriges Bestehen.
- DNW wurde 1976 von der DFVLR (heute DLR), dem niederländischen Luft- und Raumfahrtzentrum NLR sowie den Regierungen Deutschlands und der Niederlande gegründet.
- Heute betreibt die DNW sechs Windkanalanlagen an vier Standorten in Deutschland und den Niederlanden.
- Die Versuchseinrichtungen unterstützen seit fünf Jahrzehnten die Entwicklung von Flugzeugen, Hubschraubern und weiteren Luftfahrttechnologien für Forschung und Industrie.
- Auf DLR-Gelände betreibt die DNW den Niedergeschwindigkeits-Windkanal Braunschweig (DNW-NWB) sowie den Transsonischen Windkanal Göttingen (DNW-TWG).
- Schwerpunkte: Luftfahrt, Raumfahrt
Die Stiftung Deutsch-Niederländische Windkanäle (DNW) feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung am 30. Juni 1976 durch die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (heute Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR), das Niederländische Zentrum für Luft- und Raumfahrt (NLR) sowie die Regierungen Deutschlands und der Niederlande steht die DNW für eine erfolgreiche europäische Zusammenarbeit in der Luft- und Raumfahrtforschung. Was mit dem gemeinsamen Ziel begann, Europas größten Windkanal zu errichten und zu betreiben, entwickelte sich zu einer international anerkannten Forschungsinfrastruktur mit sechs Windkanälen an vier Standorten in Deutschland und den Niederlanden.

Die Stiftung Deutsch-Niederländische Windkanäle ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit Innovationen ermöglicht und die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärkt. Seit fünf Jahrzehnten leisten die Anlagen der DNW einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung sicherer, effizienter und nachhaltiger Luftfahrzeuge. Die damit verbundene europäische Souveränität und Resilienz war immer wichtig und ist heute wieder hochaktuell.
Von der Vision zur europäischen Spitzenforschung
Die Ursprünge der DNW reichen bis in das Jahr 1973 zurück. Damals diskutierten Vertreter der damaligen Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR, heute DLR) und des NLR erstmals die Idee eines gemeinsamen Großwindkanals. Die Initiative wurde von beiden Regierungen unterstützt und mündete am 30. Juni 1976 in die offizielle Gründung der Stiftung. Bereits einen Tag später begann der Bau der Large Low-speed Facility (LLF) im niederländischen Marknesse.
Mit der Inbetriebnahme der LLF im Jahr 1981 entstand Europas größte Niedergeschwindigkeits-Windkanalanlage. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Zusammenarbeit kontinuierlich ausgebaut. Seit den 1990er-Jahren wurden weitere Windkanäle des DLR und NLR unter dem Dach der DNW zusammengeführt. Heute betreibt die Organisation sechs hochmoderne Versuchsanlagen und bietet der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie, Forschungseinrichtungen sowie der Automobilindustrie ein breites Spektrum experimenteller Dienstleistungen.
Windkanäle als Schlüsseltechnologie
Windkanäle ermöglichen es, das Verhalten von Flugzeugen, Hubschraubern, Fahrzeugen oder einzelnen Komponenten unter kontrollierten und realitätsnahen Strömungsbedingungen zu untersuchen. Dabei werden wichtige aerodynamische Eigenschaften wie Luftwiderstand, Auftrieb, Strömungsablösungen oder Lärmemissionen analysiert. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, neue Technologien effizienter, sicherer und nachhaltiger zu gestalten, noch bevor erste Prototypen gebaut werden.
Trotz großer Fortschritte bei numerischen Simulationen bleiben experimentelle Untersuchungen in Windkanälen unverzichtbar. Sie liefern hochpräzise Messdaten und bilden die Grundlage für die Validierung moderner Simulationsverfahren.
Erfolgreiche Beiträge zu internationalen Luftfahrtprogrammen
Die Versuchseinrichtungen der DNW haben in den vergangenen fünf Jahrzehnten zahlreiche internationale Entwicklungsprogramme unterstützt. Dazu zählen unter anderem die Airbus-Familien A320, A330, A340, A380 und A400M, die Embraer E-Jets und E2-Flugzeuge, die Kampfflugzeuge Eurofighter und F-35 sowie das NH90-Hubschrauberprogramm. Die hochwertigen und effizienten Tests in den DNW-Anlagen haben wesentlich zur aerodynamischen Optimierung und damit zum Erfolg dieser Programme beigetragen.
DNW-Standorte auf DLR-Gelände in Braunschweig und Göttingen
In Deutschland betreibt die DNW zwei bedeutende Versuchsanlagen auf DLR-Gelände.
Der Niedergeschwindigkeits-Windkanal Braunschweig (DNW-NWB) dient als aeroakustischer Referenzwindkanal. Er ermöglicht hochpräzise Untersuchungen aerodynamischer und aeroakustischer Fragestellungen und trägt dazu bei, zukünftige Luftfahrzeuge leiser und effizienter zu machen.
Der Transsonische Windkanal Göttingen (DNW-TWG) bildet einen zentralen Bestandteil des Hochgeschwindigkeitsportfolios der DNW. Die Anlage bietet einzigartige Möglichkeiten für aerodynamische und aeroelastische Untersuchungen im transsonischen und überschallnahen Geschwindigkeitsbereich.
Jubiläum mit Blick in die Zukunft
Bereits am 18. Juni 2026 feierte die DNW ihr Jubiläum mit einem Symposium am Hauptsitz in Marknesse. Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Industrie, Politik sowie langjährige Partner und Kunden blickten gemeinsam auf fünf Jahrzehnte erfolgreicher Zusammenarbeit zurück.
Auch in Zukunft wird die DNW eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Luftfahrttechnologien spielen. Themen wie klimaverträgliches Fliegen, nachhaltige Antriebssysteme, innovative Flugzeugkonfigurationen und die Validierung digitaler Entwicklungswerkzeuge erfordern weiterhin leistungsfähige experimentelle Forschungsinfrastrukturen. Mit ihrer einzigartigen Expertise und ihren modernen Anlagen bleibt die DNW ein wichtiger Partner für die Luftfahrtforschung in Europa und weltweit.
DNW in Zahlen
- Gründung: 30. Juni 1976
- Träger: DLR und NLR
- Standorte: 4 in Deutschland und den Niederlanden
- Windkanalanlagen: 6
- Größte Anlage: Large Low-speed Facility (LLF) in Marknesse
- Mitarbeitende: rund 125
- Kunden: Luft- und Raumfahrtindustrie, Forschungseinrichtungen und Automobilindustrie weltweit
- Unterstützte Programme: Airbus A320/A330/A340/A380/A400M, Embraer E-Jets/E2, Eurofighter, F-35, NH90 und weitere