Auf zu den Marsmonden: Mission MMX und Rover Idefix® bereit zum Start



- Der Start der MMX-Mission ist für den 19. Oktober 2026 vorgesehen. Das Startfenster zum Mars reicht bis zum 7. November 2026.
- Im Rahmen der MMX-Mission wird der deutsch-französische Rover Idefix® 2029 auf dem Marsmond Phobos landen.
- Japan und Frankreich sind wichtige strategische Partnerländer für das DLR.
- Schwerpunkte: Raumfahrt, Robotik, Exploration, Mars
Die Raumsonde MMX (Martian Moons eXploration) wird am 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr (MESZ) zum Mars starten. Das gab die japanische Raumfahrtbehörde Japanese Aerospace Exploration Agency (JAXA) jüngst bekannt. Es ist die bisher größte japanische Mission ins Sonnensystem: Sie wird weltweit erstmalig auf dem Marsmond Phobos landen und 2031 die ersten Proben überhaupt vom Marsmond Phobos und damit aus dem Marssystem zur Erde bringen. Wichtiger Teil der Mission ist der deutsch-französische Rover Idefix®, der als erster Lander überhaupt 2029 auf Phobos aufsetzen wird, um dessen Oberfläche für 100 Tage aus nächster Nähe zu erkunden. Im August hat die JAXA in Anwesenheit des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die fertiggestellte Raumsonde samt montiertem Rover am Weltraumbahnhof in Tanegashima der Öffentlichkeit präsentiert. Das DLR und die französische Raumfahrtbehörde CNES (Centre National d‘Édutes Spatiales) haben Idefix® gemeinsam beigestellt. Nun laufen die letzten Startvorbereitungen mit der Montage der Raumsonde auf die neue leistungsfähige H3-Rakete der JAXA, mit deren Hilfe MMX das Marssystem erreichen wird. Das Startfenster zum Mars erstreckt sich bis zum 7. November 2026.
„Unser Rover Idefix® und das MMX-Raumschiff unserer japanischen Partner starten als eine Einheit ihre Reise ins Marssystem. Erst am Phobos trennen sich ihre Wege. Dort wird Idefix® Geschichte schreiben – als erster Rover, der jemals Spuren auf einem Marsmond hinterlässt“, so DLR-Projektleiter Prof. Markus Grebenstein und CNES-Projektleiter Julien Baroukh.
Idefix® – ein deutsch-französischer Rover für den Marsmond Phobos
Bereits 2022 stellte das DLR den teilmontierten Rover Idefix® und zwei Instrumente fertig. Anschließend wurde er bei der französischen Raumfahrtagentur CNES in Toulouse vollständig zusammengebaut und durch weitere Instrumente und Komponenten ergänzt. Nach der Fertigstellung im Juli 2023 absolvierte Idefix® erfolgreich Tests zur Weltraumqualifikation. Im Fokus stand dabei seine einwandfreie Funktion sowie seine Beständigkeit gegenüber den Vibrationen beim Raketenstart als auch gegenüber den extremen Temperaturen auf Phobos von minus 170 bis 70 Grad Celsius. Ab 2024 begann in Japan die Integration des Rovers in die MMX-Muttersonde. Im August 2026 präsentierte die JAXA nun die fertiggestellte Raumsonde der Öffentlichkeit. Dabei war der etwa getränkekastengroße Idefix® gut in seiner Reiseposition zwischen den Landebeinen der Raumsonde zu sehen. Besonders an Rover Idefix® ist seine enorm kompakte Bauart. Idefix® hat im Wesentlichen alle Elemente eines vollwertigen Wissenschaftsrovers, kommt mit seiner hochintegrierten Konstruktion aber nur auf eine Masse von 25 Kilogramm. Aufgrund seines geringen Gewichts und der geringen Schwerkraft wird Idefix® direkt auf Phobos landen können, ohne die Hilfe eines Landevehikels.
Voraussichtlich um den Jahreswechsel 2028/2029 wird die MMX-Muttersonde Rover Idefix® aus einer Höhe von etwa 40 Metern über der Oberfläche in den freien Fall Richtung Phobos schicken. Einmal gelandet, richtet er sich selbständig auf und ist dann einsatzbereit für die rund dreimonatige Missionsphase auf dem Marsmond. Auf der Oberfläche wird Idefix® gezielt wissenschaftlich interessante Bereiche des Phobos suchen und analysieren. Dabei betritt Idefix® technisches Neuland, denn noch nie ist ein Erkundungsfahrzeug mit Rädern auf einem Himmelskörper gefahren, der nur über weniger als ein Tausendstel der Erdanziehungskraft verfügt. Die Vorerkundung der Oberfläche durch den Rover hilft später auch dabei, die Muttersonde möglichst gut vorbereitet auf Phobos zur Probensammlung zu landen.
„Vor mehr als einem Jahrzehnt haben wir die MMX-Reise begonnen. Trotz unzähliger Herausforderungen haben uns das Engagement und der Einfallsreichtum von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren in ganz Japan und auf der ganzen Welt bis zu diesem Moment gebracht. Der Start von MMX wird für uns alle ein emotionaler Meilenstein sein“, sagt Dr. Yasuhiro Kawakatsu, MMX-Projektleiter bei der JAXA.

Animation: Mission MMX – Die Reise zum Marsmond Phobos
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MMX – eine japanische Raumsonde zur Erkundung der Marsmonde
Der Start der MMX-Mission ist für den 19. Oktober 2026 geplant, wobei das Startfenster zum Mars 19 Tage beträgt. Nach rund einjähriger Flugzeit wird die MMX-Sonde in der zweiten Jahreshälfte 2027 den Mars erreichen und in seine Umlaufbahn einschwenken. Dann beginnen die acht wissenschaftlichen Instrumente des Explorationsmoduls mit der Kartierung und Charakterisierung der Oberflächen von Phobos und Deimos. Um den umfangreichen Anforderungen an die Mission gerecht zu werden, setzt die japanische Raumfahrtbehörde JAXA bei der Raumsonde auf ein Design aus drei Modulen mit der bislang größten Masse einer japanischen interplanetaren Raumsonde: Ein leistungsstarkes Antriebsmodul sorgt für den Transfer und die Bremsmanöver am Mars, ein Erkundungs- und Landemodul trägt die wissenschaftlichen Instrumente, darunter Teleskopkameras, Spektrometer und den deutsch-französischen Rover Idefix® sowie ein Rückkehrmodul inklusive der Landekapsel mit ihren thermischen Schutzschilden für den Flug zurück zur Erde.
Woher kamen „Furcht“ und „Schrecken“?
Phobos und Deimos sind neben dem Erdmond die beiden einzigen Monde im inneren Sonnensystem. Sie sind viel kleiner als der Erdmond und nicht kugelförmig, sondern von unregelmäßiger Gestalt. Der größte Durchmesser von Phobos beträgt knapp 27 Kilometer, bei Deimos sind es sogar nur 15 Kilometer. Die Namen Phobos und Deimos (Furcht und Schrecken) erhielten beide Monde unseres Nachbarplaneten nach ihrer Entdeckung 1877 durch den US-Amerikaner Asaph Hall. In Homers Ilias sind sie zwei Brüder im Gefolge des hellenischen Kriegsgottes Ares (in der römischen Mythologie der Kriegsgott Mars). Etwa 150 Jahre nach ihrer Entdeckung ist die Entstehung der Marsmonde noch immer eine offene Frage: Sind sie eingefangene Asteroiden oder nach einem gewaltigen Meteoriteneinschlag auf dem Mars entstanden? MMX soll helfen, diese Frage zu beantworten und die Geschichte von Phobos und Deimos zu ergründen.
Die Entstehung des Marssystems ist zudem ein Schlüssel, um die Prozesse der Planetenbildung im Sonnensystem insgesamt besser zu verstehen. In jedem Fall dürften Spuren von Gesteinen des Mars auf der Oberfläche von Phobos zu finden sein, die als Auswurfsmaterial späterer Asteroideneinschläge auf Phobos landeten. Damit könnte dann mit den Proben von Phobos auch Material vom Mars in der Rückkehrkapsel zur Erde und damit in irdische Labore gelangen.
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Über die Mission
MMX ist eine Mission der japanischen Weltraumorganisation JAXA mit Beiträgen von NASA, ESA, der französischen Raumfahrtagentur CNES und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). CNES und DLR steuern zusammen einen 25 Kilogramm schweren Rover bei. Der deutsch-französische MMX-Rover wurde unter gemeinsamer Leitung der beiden Partner entworfen und gebaut. Das DLR übernimmt dabei insbesondere die Entwicklung des Rover-Fahrwerks samt Carbonstruktur sowie des Aufricht- und Fortbewegungssystems. Zudem steuert das DLR das Verbindungs- und Separationssystem zur Muttersonde bei sowie ein Raman-Spektrometer und ein Radiometer als wissenschaftliche Experimente. Diese werden die Zusammensetzung, Temperatur und Beschaffenheit der Oberfläche auf Phobos messen.
Die CNES leistet wesentliche Beiträge mit Kamerasystemen zur räumlichen Orientierung und Erkundung auf der Oberfläche sowie zur Untersuchung der mechanischen Bodeneigenschaften. Darüber hinaus entwickelt die CNES das zentrale Servicemodul des Rovers inklusive des Onboard-Computers sowie des Energie- und Kommunikationssystems. Nach dem Start der MMX-Mission wird der Rover von Kontrollzentren der CNES in Toulouse (Frankreich) und des DLR in Köln betrieben.
Seitens des DLR sind unter der Leitung des Instituts für Robotik und Mechatronik zudem die Institute für Systemleichtbau, für Raumfahrtsysteme, für Weltraumforschung, für Softwaretechnologie sowie das Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) beteiligt.
Die Mission MMX steht in der Tradition einer bereits langjährigen erfolgreichen Kooperation der Partner JAXA, CNES und DLR. Sie knüpft an die Vorgängermission Hayabusa2 an, bei der die JAXA eine Raumsonde zum Asteroiden Ryugu schickte mit dem deutsch-französischen Lander MASCOT an Bord. Am 3. Oktober 2018 landete MASCOT auf Ryugu und sendete spektakuläre Bilder einer faszinierenden zerklüfteten Landschaft aus Geröll und Steinen. Hayabusa2 nahm Proben von Ryugu und brachte diese am 6. Dezember 2020 zurück zur Erde.