DLR unterstützt Katastrophenbewältigung

Bergwacht/BRK

DLR/ZKI 2026

- Der Waldbrand am Berg Saurüsselkopf bei Ruhpolding galt vom 4.-13. Mai 2026 als Katastrophenfall und das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) des DLR wurde aktiviert.
- Die Lagebilder des ZKI dienten täglich als Grundlage für die Einsatzplanung.
- Erstmals war eine Forschungsdrohne mit dem DLR-Kamerasystem MACS im Einsatz. Die Drohne des Bayerischen Roten Kreuzes lieferte Daten zu verborgenen Glutnestern.
- Schwerpunkte: Raumfahrt, Sicherheit, Erdbeobachtung, Waldbrand
Ein Waldbrand am schwer zugänglichen Berg Saurüsselkopf hatte vom 4. bis 13. Mai 2026 den Katastrophenfall im bayerischen Ruhpolding ausgelöst. Durch den Brand war und ist insbesondere das umliegende Trinkwasserschutzgebiet Laubau bedroht. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterstützte die Behörden und Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung mit aktuellen Lagekarten auf Basis von Satelliten- und Drohnenaufnahmen.
Das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) des DLR kombinierte vorhandene Geodaten, aktuelle Satellitendaten und hochaufgelöste Drohnenaufnahmen und erstellte daraus ein sogenanntes multimodales Lagebild. Dieses diente der Einsatzleitung beziehungsweise dem Einsatzstab täglich als Grundlage für die Koordinierung der rund 300 Einsatzkräfte. Das DLR-Institut für Weltraumforschung unterstützte zudem das Bayerische Rote Kreuz (BRK) bei der Planung und Aufnahme von Drohnendaten mit ihrem MACS-Kamerasystem (Modul Aerial Camera System). Das mit einer Wärmebildkamera ausgestattete System spürte Brandflächen und verborgene Glutnester auf. Dabei ließen sich die optischen und thermalen Livebilder direkt von der Drohne in das digitale Lagebild einbinden. Das ZKI stellte den Einsatzkräften die Auswertungen in Form von ausgedruckten Übersichtskarten wie auch einer Webanwendung zur Verfügung, die laufend ergänzt wurde.
Aus der Forschung direkt in den Einsatz
Die mit der DLR-Luftbildkamera ausgestattete Forschungsdrohne hatte am Saurüsselkopf buchstäblich ihre „Feuertaufe“. Das Trinity-Drohnensystem des BRK ist ein computergesteuertes Flugzeug mit Senkrechtstart- und Landefähigkeit, das sich besonders für großflächige Luftbildaufnahmen eignet und in Zusammenarbeit mit der Bergwacht Bayern betrieben wird. Im Rahmen des DLR-Projekts RESITEK (Resiliente Technologien für den Katastrophenschutz) wurde diese Drohne mit dem MACS-Kamerasystem des DLR ausgestattet. Anfang Mai fand die Übergabe an die BRK-Stabsstelle Forschung statt; mit Schulung und ersten gemeinsamen Testflügen. Dann brach im Landkreis Traunstein der Bergwaldbrand aus und geriet außer Kontrolle – aus der Erprobung wurde ein Real-Einsatz.
Das neue Drohnensystem detektierte und kartierte per Thermalsensor die zahlreichen, für das Auge unsichtbaren Glutnester in dem extrem unzugänglichen Gelände. Erfasst wurde das etwa zwei Kilometer lange und einen Kilometer breite Gebiet mit einer Bildauflösung von 15 Zentimeter pro Pixel. Mithilfe dieser Informationen konnten Hubschrauber, Einsatzkräfte und Material gezielt koordiniert sowie der Löscherfolg fortlaufend überwacht werden.
„Besonders wichtig war, dass die mit unserem MACS-System erzeugten Daten ohne zusätzlichen Integrationsaufwand direkt im Realbetrieb genutzt werden konnten“, erklärt Ralf Berger vom DLR-Institut für Weltraumforschung. Der Erfolg beruht auf der engen langjährigen Zusammenarbeit der DLR-Forschenden mit dem BRK.
„Die fachliche Expertise des DLR und unsere seit Jahren hervorragend eingespielte Zusammenarbeit waren für die Einsatzplanung von großem Wert. Gemeinsam konnten wir konkrete Unterstützung für die Einsatzkräfte vor Ort leisten – und so einen echten operativen Mehrwert für die Brandbekämpfung am Saurüsselkopf schaffen“, sagt Dr. Felix Böhringer, Mitarbeiter der Stabsstelle Forschung in der BRK-Landesgeschäftsstelle und Missionsleiter der Erkundungsdrohne vor Ort.
Einrichtungs- und fachübergreifende Zusammenarbeit
Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Einsatzorganisationen und Anwendern entstehen Lösungen, die unmittelbar im Einsatz nutzbar sind. Durch die gezielte Förderung können Verfahren, Methoden und technische Systeme entwickelt werden, die bestehende Fähigkeitslücken schließen und den Bevölkerungsschutz nachhaltig stärken.
Bei der Brandkatastrophe am Saurüsselkopf bekämpften rund 300 Einsatzkräfte der Feuerwehr, Bergwacht, Polizei, Bundeswehr, Forstverwaltung, des Technischen Hilfswerks (THW) und BRK sowie weitere Unterstützer mehr als eine Woche lang täglich das Feuer vom Boden und aus der Luft. Das Drohnenteam nutzte die Nacht- und frühen Morgenstunden, um das Brandgebiet nach Glutnestern abzusuchen. Der nächtliche Betrieb diente gleichzeitig auch der Sicherheit der Hubschrauber, die tagsüber im Löscheinsatz waren.
Seit dem 13. Mai 2026 hat sich die Lage am Saurüsselkopf nun stabilisiert. Der offene Brand ist gelöscht. Glutnester im Boden, unter Wurzeln und in schwer zugänglichen Bereichen stellen jedoch noch ein Risiko dar, sodass die Nachlöscharbeiten weiter andauern.