Exoplanetenforscherin Heike Rauer mit Caroline-Herschel-Medaille ausgezeichnet
11. März 2026
Exoplanetenforscherin Heike Rauer mit Caroline-Herschel-Medaille ausgezeichnet
Heike Rauer
Die Royal Astronomical Society und die Astronomische Gesellschaft zeichnen Prof. Heike Rauer mit der Caroline-Herschel-Medaille 2026 aus. Die Medaille und der Preis würdigen die herausragenden Beiträge der Wissenschaftlerin zur Exoplanetenforschung, ihre führende Rolle in der PLATO-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA sowie ihr Engagement für die astronomische Gemeinschaft.
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Phil Dera
Die Caroline-Herschel-Medaille
Die Caroline-Herschel-Medaille wird gemeinsam von der Royal Astronomical Society (RAS) im Vereinigten Königreich und der deutschen Astronomischen Gesellschaft (AG) jährlich verliehen und abwechselnd an Forscherinnen in Großbritannien und in Deutschland vergeben. Die Medaille würdigt eine etablierte Forscherin für ihre herausragenden Beiträge zur Astrophysik, sei es durch Forschung oder Führungsleistungen. Die Caroline-Herschel-Medaille 2026 wird an Prof. Dr. Heike Rauer verliehen. Sie ist nach der deutsch-britischen Astronomin Caroline Lucretia Herschel (1750-1848) benannt.
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Astronomische Gesellschaft (AG)
Die Suche nach Exoplaneten mit dem PLATO-Weltraumteleskop
Erst seit dem Jahre 1995 weiß die Astronomie, dass, ähnlich wie in unserem Sonnensystem, auch andere Sterne von Planeten umkreist werden. Der Nachweis kann unter anderem dadurch geführt werden, indem man die Lichtstärke eines anderen Sterns misst, vor dessen Scheibe ein Planet periodisch vorbeizieht. Dabei kommt es bei solche einem „Transit“ zu einem minimalen Lichtabfall, den man messen kann. Das Weltraumteleskop PLATO wird ab 2027 mit 26 Kameras in der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie, gleichzeitig rund 200.000 Sterne mit der „Transitmethode“ beobachten und nach extrasolaren Planeten suchen. Eines der wesentlichen wissenschaftlichen Ziele ist die Suche nach erdähnlichen Planeten, die sonnenähnliche Sterne umkreisen.
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DLR/OHB Systems AG
Die Royal Astronomical Society und die Astronomische Gesellschaft zeichnen Prof. Heike Rauer mit der Caroline-Herschel-Medaille 2026 aus.
Würdigung herausragender Beiträge in der Exoplanetenforschung und ihrer führenden Rolle bei der Entwicklung der ESA-Mission PLATO sowie ihr Engagement für die astronomische Gemeinschaft.
Die Caroline-Herschel-Medaille feiert die lange Geschichte der astronomischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich.
Schwerpunkte: Exoplaneten, Weltraumforschung
Die britische Royal Astronomical Society und die Astronomische Gesellschaft geben heute bekannt, dass Prof. Heike Rauer für ihre Forschung an der Freien Universität Berlin mit der Caroline-Herschel-Medaille 2026 ausgezeichnet wird. Die Medaille und der Preis würdigen die herausragenden Beiträge der Wissenschaftlerin zur Exoplanetenforschung, ihre führende Rolle in der PLATO-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA sowie ihr Engagement für die astronomische Gemeinschaft. Heike Rauer hat die Professur für Planetologie und Fernerkundung am Institut für Geologische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin inne. Bis 2025 war sie Direktorin des ehemaligen Instituts für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof und berät den Vorstand des DLR in ESA-Angelegenheiten.
„Die Preisverleihung ist eine große Ehre“, freut sich Heike Rauer über die Nachricht aus London und Hamburg, dem Sitz der Astronomischen Gesellschaft. „Was mir aber viel wichtiger ist: Caroline Herschel war im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert eine bedeutende, in der Männerdomäne Astronomie hoch angesehene Wissenschaftlerin. Sie ist ein frühes, leuchtendes Beispiel dafür, dass Frauen in der Wissenschaft bedeutende Forschung durchführen können. Ich hoffe und wünsche mir, dass auch in unserer Zeit mehr junge Frauen in Wissenschaft und Technik eine ‚Berufung´ suchen und finden.“
Seit 1995: Die Suche nach einem erdähnlichen Planeten
Heike Rauers Forschung hat die Entdeckung und Charakterisierung extrasolarer Planeten entscheidend vorangebracht. 1995 wurde von den späteren Physik-Nobelpreisträgern Didier Queloz und Michel Mayor der erste extrasolare Planet entdeckt (heute sind mehr als 8.000 bekannt). Heike Rauers Schwerpunkt liegt auf der Erforschung erdähnlicher Planeten und Planetenatmosphären. Als „Principal Investigator“ der PLATO-Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), die so gut wie startklar ist und Anfang 2027 ins Weltall gebracht wird, hat sie eine maßgebliche wissenschaftliche und organisatorische Führungsrolle übernommen. Dazu gehört insbesondere die Koordination des internationalen Konsortiums von zahlreichen Forschungsinstituten, welches die 26 Teleskope bzw. Kameras der PLATO-Raumsonde sowie die wissenschaftlichen Beiträge des Bodensegments bündelt. Das DLR hat wesentliche Hardwarekomponenten für PLATO entwickelt und gebaut. Die Kombination dieser Komponenten ermöglicht nicht nur neue Entdeckungen von Exoplaneten, sondern auch vertiefte Einblicke in die stellare Asteroseismologie, die Untersuchung von durch innere Schwingungen veränderlichen Sternenlichts.
Heike Rauer wird zudem für ihr langjähriges Engagement in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gewürdigt. So war sie Koordinatorin des DFG-Schwerpunktprogramms „Exploring the Diversity of Extrasolar Planets“. Von 2006 bis 2014 war sie Repräsentantin für Deutschland und Co-Investigatorin des französisch-europäischen Weltraumteleskops CoRoT.
Preisverleihung in der britischen Botschaft
Die Caroline-Herschel-Medaille wird Heike Rauer am 28. April 2026 in der Botschaft des Vereinigten Königreichs in Berlin überreicht. Sie wird gemeinsam von der Royal Astronomical Society (RAS) im Vereinigten Königreich und der deutschen Astronomischen Gesellschaft (AG) jährlich verliehen und abwechselnd an Forscherinnen in Großbritannien und in Deutschland vergeben. Die Medaille würdigt eine etablierte Forscherin für ihre herausragenden Beiträge zur Astrophysik, sei es durch Forschung oder Führungsleistungen.
Hintergrundinfo: Caroline Lucretia Herschel (1750-1848)
Caroline Herschel wurde am 16. März 1750 in Hannover in eine ausgesprochen musikalische Familie hineingeboren, lernte auch verschiedene Instrumente und war eine begabte Geigerin und Sängerin. Bald begeisterte sie sich aber wie ihr Bruder Wilhelm für die Astronomie, begleitete ihn nach England (wo Wilhelm im März 1781 den Planeten Uranus entdeckte) und unterstützte ihn bei seinen Forschungen. Binnen kurzer Zeit führte sie auch selbst teleskopische Beobachtungen durch, entdeckte zahlreiche Kometen und führte präzise Berechnungen zu Sternenhaufen und Sternnebeln durch. Caroline Herschel genoss in den zu jenen Zeiten von Männern dominierten astronomischen Kreisen allerhöchste Anerkennung und erhielt mehrere bedeutende Auszeichnungen.
Nach dem Tod ihres Bruders im Jahre 1822, der längst den anglisierten Vornamen William trug (und der der erste Präsident der Royal Astronomical Society of London war, wie die RSA damals noch hieß, kehrte sie nach Hannover zurück, ordnete Williams astronomischen Nachlass, führte weiter Beobachtungen durch, und erhielt noch mehrere Auszeichnungen. Caroline Herschel starb am 9. Januar 1848 im damals ganz außergewöhnlich hohen Alter von 97 Jahren. In ihrem deutschen Wikipedia-Eintrag findet sich dieses ihr zugeschriebene Zitat: „Mein Vater war ein großer Bewunderer der Astronomie und besaß einige Kenntnisse in der Wissenschaft. Ich erinnere mich, daß er mich in einer kalten Nacht auf die Straße führte, um mich mit einigen unserer schönsten Sternbilder bekannt zu machen, nachdem wir vorher einen Kometen, der eben sichtbar war, beobachtet hatten.“