4. Februar 2026 | DLR erhält Fördermittel für Neubau des Human Exploration Control Center (HECC) am Standort Oberpfaffenhofen

Mond und Mars im Blick: Neues Kontrollzentrum für astronautische Raumfahrt geplant

  • Das Human Exploration Control Center (HECC) wird künftig den Betrieb von astronautischen und robotischen Missionen zu Mond und Mars ermöglichen.
  • Für den Bau des Mondkontrollzentrums HECC überreicht Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder einen Fördermittelbescheid in Höhe von 58 Millionen Euro an das DLR.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Mond, Mars, Exploration

Für die astronautische Raumfahrt von morgen wird am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen ein neues Kontrollzentrum entstehen: das Human Exploration Control Center (HECC). Künftig sollen am HECC astronautische wie auch robotische Missionen zu Mond und Mars betrieben werden. Die neue Infrastruktur wird den Standort Bayern weiter stärken. In Kooperationen mit europäischen Partnern wird das Kontrollzentrum auch wesentlich dazu beitragen, die nationale und europäische Eigenständigkeit in der Raumfahrt zu sichern. Der Freistaat Bayern fördert die Baumaßnahmen mit 58 Millionen Euro. Das DLR investiert zusätzlich 20 Millionen Euro aus der institutionellen Grundförderung von Bund und Ländern und ist dafür verantwortlich, die Entwicklungsarbeiten für die Mond- und Mars-Missionen am HECC umzusetzen.

Am 4. Februar 2026 überreicht der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder den Fördermittelbescheid für den Bau des neuen Kontrollzentrums an das DLR am Standort in Oberpfaffenhofen – empfangen durch die DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, DLR-Bereichsvorständin Raumfahrt Dr. Anke Pagels-Kerp und Direktor der DLR-Einrichtung Raumflugbetrieb und Astronautentraining Prof. Felix Huber.

„Das DLR steht für Wissensaustausch mit öffentlichen Stakeholdern und Transfer in die Wirtschaft. Durch deren konsequente Umsetzung sind am bayerischen Standort Oberpfaffenhofen des DLR seit Jahrzehnten umfangreiche und international anerkannte Kompetenzen in der Raumflugkontrolle und im Astronautentraining aufgebaut worden“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR. „Mit der heutigen Übergabe des Förderbescheids in Höhe von 58 Millionen Euro durch Ministerpräsident Dr. Markus Söder beginnt die Zukunft der Raumflugkontrolle im DLR. Gerade die robotische Exploration im Rahmen internationaler Kooperationen und als Unterstützung astronautischer Missionen wird im neuen Human Exploration Control Center HECC eine zunehmend zentralere Rolle einnehmen.“

Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, erklärt anlässlich des geplanten Aufbaus von HECC: „Mit dem Human Exploration Control Center entsteht hier in Oberpfaffenhofen das zukünftige europäische Zentrum robotischer und astronautischer Exploration. Bund und Länder gehen hier gemeinsam vor. Der Ausbau unserer nationalen Kompetenzen in der Raumflugkontrolle ist ein bedeutender Beitrag Deutschlands für die Souveränität Europas in der Raumfahrt.“

Aus bayerischer Sicht betont Ministerpräsident Dr. Markus Söder: „Bayerns Tor zu den Sternen kommt. Der Freistaat, DLR und ESA bilden eine starke Gemeinschaft. Mit Innovation und Pioniergeist fördern wir Forschung, Freiheit und Zukunft. Bayern investiert 58 Millionen Euro für ein neues Gebäude sowie fünf Millionen Euro für die Entwicklung eines Gateways im Orbit und in ein KI-Projekt für die Betreuung von Astronauten. Der Mond ist unser Sprungbrett ins All – und vielleicht irgendwann die Zwischenstation zum Mars. Vom Mond aus können die Echtzeitüberwachung von Robotern, autarke Energiesysteme und dauerhaftes Leben und Arbeiten im All erforscht werden. Das ist das spannendste Abenteuer unserer Zeit. Es hat aber auch konkrete Effekte für unser Leben auf der Erde: Als Space Valley entstehen in Bayern zahlreiche neue Technologien und Arbeitsplätze.“

„Raumfahrt ist längst ein harter Wirtschafts- und Technologiefaktor. Mit dem neuen Human Exploration Control Center holen wir Zukunftstechnologie nach Bayern, sichern hochqualifizierte Arbeitsplätze und schaffen die Grundlage für zukünftige Missionen sowohl staatlicherseits als auch für kommerzielle Zwecke. Nicht zuletzt dank der vorausschauenden Förderung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums steht das DLR in Oberpfaffenhofen seit vielen Jahren für herausragende Kompetenz in der Raumfahrt. Auf dieser Stärke bauen wir nun weiter auf. Bayern zeigt einmal mehr, dass Hightech, Industrie und Forschung bei uns Hand in Hand gehen“, ergänzt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Fit für künftige Anforderungen

Das Human Exploration Control Center wird am DLR-Standort Oberpfaffenhofen als Teil des Nationalen Raumfahrtkontrollzentrums (GSOC) aufgebaut. Es basiert auf dem erfolgreichen Betrieb des Columbus-Moduls der Internationalen Raumstation ISS. Die bestehende Infrastruktur am GSOC wird daher erweitert und ein zusätzliches Gebäude errichtet. Es wird bis zu 200 Mitarbeitende, ein Mondkontrollzentrum mit eigenen Reinräumen sowie Multimissionsräume beherbergen, die den parallelen Betrieb verschiedenartiger Missionen ermöglichen. Hochsicherheitsbereiche mit gesonderten Server- und Kontrollräumen gewährleisten, dass die Einrichtung den zukünftig noch anspruchsvolleren Betriebsaufgaben gewachsen ist. Darüber hinaus entwickelt das GSOC-Team neue Betriebs- und Einsatzkonzepte für Mond- und Marsmissionen.

So wird das HECC insbesondere den Betrieb der Gateway Lunar Space Station auf europäischer Seite unterstützen. Dazu erarbeitet das GSOC bereits Betriebsprozeduren für das internationale Wohn- und Arbeitsmodul I-HAB (International Habitation Module), eine zentrale Einheit des Gateways. Das HECC wird die operationelle Verantwortung von insgesamt drei Modulen übernehmen. Dazu gehört neben I-HAB, das Kommunikationssystem zur Mondoberfläche HLCS (HALO Lunar Communication System) sowie das Antriebsmodul ESPRIT (ESPRIT Refueling Module, ERM). Das Gateway soll im Laufe dieses Jahrzehnts errichtet werden und – als der nächste Außenposten der Menschheit im Weltraum – um den Mond kreisen. Mit der Rückkehr zum Mond zielt das Artemis-Programm auch darauf ab, zukünftige astronautische Marsmissionen vorzubereiten.

Zwischenstation zum Mars

Langfristig wird das HECC somit auch für astronautische Missionen zuständig sein, die über das Erde-Mond-System hinausgehen. Bei Missionen zum Mars etwa beträgt die Signallaufzeit bis zu 40 Minuten zur Erde, sodass ein Betrieb auf herkömmlicher Art in Echtzeit nicht möglich ist. Dazu entwickelt das GSOC am DLR bereits KI-basierte Lösungen wie das Assistenzsystem METIS (Mars Exploration Telemetry-driven Information System), das künftig den autonomen oder teil-autonomen Betrieb eines Raumfahrtzeugs ermöglichen soll.

Mit langfristiger Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation ESA soll das HECC als europäisches Kontrollzentrum für astronautische und robotische Exploration aufgebaut werden. Die Förderung durch den Freistaat Bayern und die Investition des DLR sichern nun, dass am DLR-Standort in Oberpfaffenhofen die technologischen und infrastrukturellen Grundlagen dafür geschaffen werden. Der Baubeginn ist für 2028 geplant. Der Betrieb des Human Exploration Control Centers wird voraussichtlich 2030 starten.

Weiterführende Links

Raumfahrt-Expertise am DLR-Standort Oberpfaffenhofen

Am DLR-Standort Oberpfaffenhofen gibt es mit dem Nationalen Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) bereits eine jahrzehntelange Tradition und Expertise beim Betrieb von astronautischen Raumfahrtmissionen. Zu den ersten herausragenden Missionen zählten die deutschen Spacelab-Missionen D1 und D2 mit dem amerikanischen Space Shuttle sowie Flüge deutscher Kosmonauten zur Mir. 2004 wurde das Columbus-Kontrollzentrum für den Betrieb des europäischen Columbus-Moduls auf der Internationalen Raumstation ISS eingeweiht. 2007 folgte die Einweihung des Galileo-Kontrollzentrums für den Betrieb des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo. Diese Kompetenz und Expertise im Raumflugbetrieb bringen DLR und ESA nun auch in die Kooperation mit der NASA im Rahmen des Artemis-Mond-Programms ein.

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