29. Mai 2026 | Grünes Licht für DLR-Forschung

Schwerewellen weiter auf der Spur: Neue Erdbeobachtungsmission SOVA-S

  • Unter der wissenschaftlichen Leitung des DLR wird die neue Erdbeobachtungsmission SOVA-S atmosphärische Schwerewellen erstmals global erfassen.
  • SOVA-S wurde von der Europäischen Weltraumorganisation ESA als neue Scout-Mission ausgewählt, die nach dem New-Space-Ansatz entwickelt werden.
  • Schwerewellen spielen eine wichtige Rolle bei Atmosphären- und Klimaprozessen, sind in Modellen bisher aber nur unzureichend berücksichtigt.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Erdbeobachtung, Kleinsatelliten

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) übernimmt die wissenschaftliche Leitung der neuen Erdbeobachtungsmission SOVA-S (Satellite Observation of waves in the Atmosphere – Scout). Mit SOVA-S erweitert die Europäische Weltraumorganisation ESA ihr Scout-Programm, das auf Kleinsatelliten basiert und nach innovativen New-Space-Ansätzen entwickelt wird. Die neue Mission soll helfen, die Strömungsvorgänge unserer Atmosphäre besser zu verstehen und Schwerewellen global zu erfassen, die in Atmosphären- und Klimamodellen bisher nur unzureichend berücksichtig sind.

Atmosphärische Schwerewellen sind wellenartige Strömungen mit einer Wellenlänge von teilweise nur wenigen Kilometern und einer Periodendauer von bis zu einigen Stunden. Sie entstehen häufig in den unteren Schichten der Atmosphäre, etwa bei der Überströmung von Gebirgen. Mit Hilfe dieser Wellen gelingt es der Atmosphäre sehr effizient, Energie und Impuls über weite Strecken zu transportieren. Dort wo diese Wellen brechen, verändern sie die Energiebilanz und die Dynamik der Atmosphäre maßgeblich. Das betrifft Wetter- und Klimaprozesse und beeinträchtigt unter anderem die Signalqualität satellitengestützter Navigationssysteme. Schwerewellen können außerdem durch Vulkanaktivität, Erd- und Seebeben sowie starken Zyklonen entstehen, sodass sie Rückschlüsse auf diese Ereignisse selbst zulassen.

Luftleuchten am Rand des Weltraums

Die neue Scout-Mission SOVA-S wird diese Prozesse erstmals global und mit hoher räumlicher Auflösung beobachten. Der Satellit untersucht dabei den wichtigen Übergangsbereich zwischen unterer und oberer Atmosphäre. Dieser Höhenbereich von 80 bis 100 Kilometer liegt am Rand zum Weltraum und spielt eine wesentliche Rolle beim Verständnis der dynamischen Kopplung der Atmosphären-Schichten.

SOVA-S kombiniert ein kompaktes, kosteneffizientes Satellitenkonzept mit hochaufgelöster Infrarot-Fernerkundung. Herzstück ist eine Nah-Infrarot-Kamera, die die Intensität des Airglows vermisst. Wenn Schwerewellen diese luftleuchtende Schicht passieren, verändert sich dort die Leuchtintensität. Beim sogenannten Airglow oder Luftleuchten handelt es sich um das Eigenleuchten von Hydroxyl-Molekülen, einer Verbindung aus Sauerstoff und Wasserstoff (OH), das im Höhenbereich von etwa 80 bis 100 Kilometern auftritt. Es wirkt wie ein Kontrastmittel in der Atmosphäre und macht selbst kleinste Strömungsvorgänge sichtbar.

Mission SOVA-S: Globale Messung von Schwerewellen
Der Satellit SOVA-S erfasst Schwerewellen, indem er die Intensität des Airglows misst. Wenn Schwerewellen diese luftleuchtende Schicht in der Atmosphäre passieren, verändert sich ihre Leuchtintensität. Dies zeigt sich in den Messungen der Infrarot-Kamera dann als streifenförmige Muster. Aus den Mustern können Rückschlüsse gezogen werden auf die Stärke der Schwerewellen, deren Wellenlängen und Ausbreitungsrichtungen.
Credit:

DLR

Langjährige Erfahrung

Das Earth Observation Center (EOC) des DLR ist bereits seit vielen Jahren in diesem Forschungsbereich aktiv und beobachtet in Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen das Luftleuchten mit bodengebundener und flugzeuggetragener Infrarot-Sensorik von verschiedenen Orten auf der Erde aus. Für SOVA-S bringt das EOC seine umfassende Expertise in der Atmosphärenfernerkundung, Datenanalyse und Modellierung als wissenschaftliche Leitung ein. Die Forschenden aus Oberpfaffenhofen werden auch eine zentrale Rolle bei der wissenschaftlichen Auswertung, Nutzung und internationalen Bereitstellung der Missionsdaten übernehmen. Die Mission entsteht in enger Zusammenarbeit mit der ESA sowie einem Industriekonsortium unter Führung von OHB Czechspace.

Der Start von SOVA-S ist im Rahmen der Scout-Reihe für das Jahr 2030 geplant. Der Kleinsatellit soll in einem sonnensynchronen Orbit in etwa 600 Kilometer Höhe für zwei bis fünf Jahre aktiv sein und eine einzigartige Datengrundlage für vielfältige Forschungs- und Anwendungsbereiche schaffen.

Weiterführende Links

Über die Scout-Missionen

Die Familie der Scout-Kleinsatelliten liefert wissenschaftliche Erkenntnisse von hohem Mehrwert, indem sie entweder bestehende Weltraumtechnologien miniaturisiert oder neue Beobachtungstechniken demonstriert. Wichtig ist dabei das übergeordnete Ziel, all dies zügig zu erreichen. Im Sinne des New-Space-Konzepts folgen die Satellitenmissionen einem äußerst agilen und kostengünstigen Entwicklungsprozess.

Die Scout-Missionen gehören zu FutureEO, dem wissenschaftlichen Erdbeobachtungsprogramm der ESA. Deutschland ist größter Beitragszahler des Programms. Die Fördermittel werden von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) koordiniert.

Kontakt

Bernadette Jung

Kommunikation, Presseredaktion
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Münchener Straße 20, 82234 Weßling
Tel: +49 8153 28-2251