17. Juni 2026 | Mission Mars Express

„Staubteufel“ über Mamers Valles im Fokus der HRSC-Marskamera

  • Bilder der deutschen Stereokamera HRSC zeigen sogenannte Staubteufel in der Region Mamers Valles auf dem Mars.
  • Diese starken, kurzlebigen Windhosen heben Staub in kleinen Wirbelstürmen in die Atmosphäre.
  • HRSC ist ein vom DLR entwickeltes Kameraexperiment an Bord der europäischen Mission Mars Express.
  • Seit Januar 2004 schickt HRSC zuverlässig Aufnahmen des Mars zur Erde, aus denen digitale Geländemodelle generiert werden.
  • Die Dauer der Mission wurde kürzlich bis 2029 verlängert.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Exploration, Mars

Neue Bilddaten, aufgenommen von der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) zeigen einen Teil von Mamers Valles auf der Nordhalbkugel des Mars. HRSC ist ein Kameraexperiment, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für die europäische Mission Mars Express entwickelt wurde und seit Januar 2004 Aufnahmen des Mars zur Erde schickt. Aus den Bilddaten werden digitale Geländemodelle berechnet. So kann der „Rote Planet“ topographisch kartiert und seine Oberfläche dreidimensional visualisiert werden. Dies ermöglicht die Rekonstruktion geologischer Prozesse in der Frühzeit des Mars hinsichtlich Art und zeitlichem Ablauf. Auf der sich dynamisch verändernden Erde ist dieser Blick in ihre Entstehungszeit nicht möglich.

Durch die Langlebigkeit der HRSC „made in Germany“ konnten inzwischen 99 Prozent der Marsoberfläche kartiert werden. Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat erst vor wenigen Tagen die Mission Mars Express bis Ende 2029 verlängert.

Irrgarten aus Bergen, Klippen und Gletschern

Topographische Kontextkarte: Marsregion Arabia Terra mit den Mamers Valles
Die grabenartigen Kanäle des Mamers-Valles-Entwässerungssystems erstrecken sich in Süd-Nord-Richtung über rund tausend Kilometer aus den alten Hochländern von Arabia Terra bis zu den tieferen Ebenen bei Deuteronilus Mensae.
Credit:

NASA/JPL (MOLA)/FU Berlin

Die grabenartigen Kanäle des Mamers-Valles-Entwässerungssystems erstrecken sich in Süd-Nord-Richtung über rund tausend Kilometer, quer aus den alten Hochländern von Arabia Terra bis zu den tieferen Ebenen bei Deuteronilus Mensae (farbkodierte Kontextkarte links). In seinen mittleren Abschnitten ist das Tal etwa 25 Kilometer breit und bis zu 1,2 Kilometer tief. Das umliegende Gebiet ist als sogenanntes „fretted terrain“ bekannt: ein „zerrissenes“ Land mit zahlreichen tiefen und sehr breiten, labyrinthartigen Tälern, flachen Tafelbergen, steilen Klippen und gletscherähnlichen Ablagerungen.

Die Region entstand in der späten Noachischen Periode vor etwa 3,8 Milliarden Jahren, als sich unser Nachbarplanet von einer feuchteren, geologisch aktiveren Welt zu dem kälteren Himmelskörper entwickelte, den wir heute kennen. Der Name „Mamers“ stammt aus der oskanischen Sprache des vorrömischen Italiens und bedeutet „Mars“. Das Gebiet erhielt seinen offiziellen Namen im Jahr 1976.

Blick in die Vergangenheit

Mamers Valles ist für die Planetenforschung interessant, weil die Täler Hinweise auf vielfältige geologische Prozesse geben. Die Untersuchung dieser Gegend kann helfen, die Frage zu beantworten, wie die Erosion von Teilen der Marsoberfläche durch glaziale Prozesse – also der Wirkung von Eis – über Milliarden von Jahren wirksam war.

Der Talboden weist lange lineare Strukturen auf. Dabei handelt es sich um Gletscher, die mit Geröll bedeckt sind. Sie ähneln Gletschern auf der Erde. Diese Linienstrukturen entstanden, als Eis durch sein Eigengewicht mobilisiert langsam die Hänge hinabfloss und auf seinem Weg von den Seiten mit Gestein und Staub bedeckt wurde. Das Gletschereis ist auch heute noch in den Ablagerungen entlang der steilen Klippen und Hängen vorhanden, weil es von Gesteinsschutt bedeckt und geschützt ist. Ohne diese Schicht würde das Eis aufgrund des niedrigen atmosphärischen Drucks auf dem Mars sofort in die Atmosphäre verdampfen.

Ein wichtiges atmosphärisches Phänomen

Variantenreiche Landschaftsformen auf dem Mars: Mündungsgebiet der Mamers Valles
Obwohl das Mündungsgebiet von Mamers Valles bei 45 Grad nördlicher Breite liegt, finden sich dort auch heute noch Eisablagerungen. Durch eine Decke aus Staub und Geröll („glacial ice deposit“) sind sie vor Sublimation geschützt. Typisch für den Übergang vom Marshochland im Süden (links im Bild) ins nördliche Tiefland sind Tafelberge, die von der Erosion durch Wasser und Eis verschont geblieben sind („mesa“). Durch die Bildauflösung der HRSC-Aufnahmen von 20 Metern pro Bildpunkt kann man eine ganze Reihe kleiner Windhosen („dust devils“) erkennen. Diese nehmen zum Teil mit hoher Geschwindigkeit Staub auf und transportieren ihn über den Mars. Kleine Kästchen markieren ihre Position zum Zeitpunkt der Aufnahme. Aus dem Hochland abfließendes Wasser hat tiefe, bis zu 25 Kilometer breite Abflusskanäle („valley“) in die Landschaft gegraben.
Credit:

ESA/DLR/FU Berlin CC BY-SA 3.0 IGO

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Der Mars hat eine sehr dünne Atmosphäre – sie ist nur etwa ein Prozent so dicht wie die der Erde. Dennoch werden atmosphärische Phänomene wie Staubteufel auf dem Mars häufig beobachtet. Bei den hier gezeigten Szenen hat die HRSC in nur einer Aufnahme zahlreiche solcher Wirbelstürme erfasst (kleine Kästchen im Bild oben). Sie sind zwar kurzlebig und lokal begrenzt, fegen allerdings mit einer Geschwindigkeit von hundert Kilometern pro Stunde und mehr über die Marsoberfläche. Staubteufel bilden sich typischerweise am Nachmittag, wenn die erwärmte Marsoberfläche die Luft darüber ebenfalls erwärmt, sodass sie aufsteigt. Diese Aufwinde erzeugen einen vertikalen Wirbel, der Staub und Sand in die Atmosphäre hebt. Staubteufel spielen somit eine bedeutende Rolle bei der Verteilung von Staub über die Marsoberfläche.

Mars-Staubteufel können Höhen von bis zu acht Kilometern erreichen, obwohl sie in der Regel weniger als hundert Meter breit sind. Sie kommen häufig in weiten Ebenen wie hier in der Umgebung der Mamers Valles vor, ähnlich wie ihre Pendants auf der Erde in trockenen Wüstenlandschaften. Auf dem Mars sind sie jedoch oft viel größer, was hauptsächlich auf die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht zurückzuführen ist.

Hintergrundinfo: Bildbearbeitung

Die Bilder wurden am 7. Oktober 2024 während der Mars-Express-Umlaufbahn 26423 von der HRSC (High Resolution Stereo Camera) aufgenommen. Die Bodenauflösung beträgt etwa 20 Meter pro Pixel, und das Bild ist auf etwa 45 Grad Nord und 17 Grad Ost zentriert. Das Farbbild wurde unter Verwendung von Daten des Nadir-Kanals – dessen Sichtfeld senkrecht zur Marsoberfläche ausgerichtet ist – sowie der Farbkanäle der HRSC erstellt. Die schräge perspektivische Ansicht wurde aus dem digitalen Geländemodell sowie dem Nadir- und den Farbkanälen der HRSC generiert. Das Anaglyphenbild, das bei Betrachtung mit einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadir-Kanal und einem Stereokanal abgeleitet. Die farbcodierte topografische Ansicht basiert auf einem digitalen Geländemodell (DGM) der Region, aus dem sich die Topografie der Landschaft ableiten lässt.

Weiterführende Links

Das HRSC-Experiment auf Mars Express

Die hochauflösende Stereokamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Zusammenarbeit mit Beteiligung aus der Industrie gebaut (EADS Astrium – heute Airbus –, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Daniela Tirsch, Principal Investigator (PI), besteht aus 50 Co-Investigatorinnen und Co-Investigatoren aus 35 Institutionen und elf Ländern. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Weltraumforschung (ehemals DLR-Institut für Planetenforschung) in Berlin-Adlershof betrieben.

Kontakt

Michael Müller

Redakteur
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
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Tel: +49 2203 601-3717