Thema 2024: Klimafreundliches Kurzstreckenflugzeug

TU Berlin/CHARGE

Um den Luftverkehr in den nächsten Jahrzehnten klimaverträglich zu gestalten, müssen innovative Technologien vorangetrieben werden. Da Kurzstreckenflüge einen signifikanten Anteil an den aktuellen CO₂-Emissionen der Luftfahrt verursachen, griff die DLR Design Challenge 2024 dieses Thema auf. Die Aufgabe war der Entwurf eines emissionsarmen Luftfahrzeugs für die zukünftige Mobilität auf der Kurzstrecke.
„Die Luftfahrt befindet sich gegenwärtig in einem der intensivsten Transformationsprozesse ihrer Geschichte. Deshalb besteht ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Dabei sieht sich das DLR als Architekt und Integrator der Luftfahrtforschung“, betont Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR, „Unabdingbar für unsere Arbeit ist der Austausch von Wissen, neue und disruptive Denkansätze, sowie Technologieoffenheit. All das haben die Teilnehmenden der DLR Design Challenge 2024 erfolgreich gezeigt beim Entwurf eines umweltfreundlichen und wirtschaftlich effizienten Kurzstreckenflugzeuges für das Jahr 2050.“
Sechs Teams präsentierten im Jahr 2024 ihre Entwürfe
Für das zu entwerfende Luftfahrzeug gehörte zur Aufgabenstellung, die Indienststellung bis zum Jahr 2050 einzuplanen. Ein vorgegebenes Netzwerk an europäischen Regionalrouten soll durch das neue Flugzeug ökologisch und gleichzeitig wirtschaftlich bedienen werden können. Den Teilnehmenden war es durch eine Analyse des Netzwerks selbst überlassen, die Reichweite und Passagierkapazität zu wählen und somit beide Anforderungen optimal auszufüllen. Dazu war die Wahl des Energieträgers ebenfalls offen: Es konnte zwischen Wasserstoff, Elektrizität und nachhaltigem Flugkraftstoff in hybrider Anwendung entschieden werden.
Sechs Studierenden-Teams präsentierten bei der Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs ihre Entwürfe, für die sie rund vier Monate Zeit hatten. Dabei durchliefen die Studierenden Prozesse wie beim echten Entwurf von Flugzeugen: Von der ersten Konzeptidee über die detaillierte Ausarbeitung technischer Aspekte und deren Berechnung bis hin zur überzeugenden Präsentation vor der Fachjury. Sie sammelten wertvolle Erfahrung und verknüpften ihr erlangtes Wissen mit praktischen Fähigkeiten, indem sie unter realistischen Bedingungen arbeiteten und aktuelle Herausforderungen der Luftfahrtindustrie meisterten. Die Aufgabe erforderte nicht nur technisches Know-how, sondern auch Kreativität und Teamarbeit.
Im Laufe des Projekts investierten die Studierenden mehrere hundert Stunden in die Entwicklung ihrer Konzepte und werden langfristig von den umfassenden Erfahrungen sowie den Kontakten zu Experten aus der Branche profitieren. Die Design Challenge wurde zusammen von den DLR-Instituten für Systemarchitekturen in der Luftfahrt und Aerodynamik und Strömungstechnik ausgerichtet.
Im Rahmen der DLR Design Challenge 2024 präsentierten die drei bestplatzierten Teams ihre Konzepte auf dem Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK 2024) in Hamburg. Außerdem präsentierte das Siegerteam sein Design auf dem 34. Kongress des International Council of the Aeronautical Sciences (ICAS 2024) in Florenz.
Die eingereichten Flugzeugentwürfe im Überblick
1. PLatz für die Technische Universität Berlin mit CHARGE

CHARGE (Carbon-neutral High-efficiency Aircraft for ReGional Electric flight) setzt auf die Kombination aus einer Box-Wing Konfiguration mit verteilten elektrischen Antrieben (DEP) um eine hohe aerodynamische und propulsive Effizienz zu erzielen. Für die Energieversorgung setzt das Konzept ausschließlich auf Batterien aufgrund des außerordentlich hohen Wirkungsgrades. CHARGE soll 110 Passagiere auf einer Strecke von bis zu 894 Kilometern transportieren können.

Video: DLR Design Challenge 2024 Entwurf der TU Berlin – CHARGE
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TU Berlin/CHARGE
2. Platz für die Technische Universität Braunschweig mit „VoltAirs-95“

„VoltAirs-95“ ist das eingereichte Konzept der TU Braunschweig, das Platz für 95 Passagiere bietet. Es hat eine Auslegungsreichweite von knapp 900 Kilometern und wird von zehn verteilten elektrischen Propellern angetrieben. Ein zusätzliches Triebwerk im Heck, betrieben mit nachhaltigem Flugzeugkraftstoff (SAF), wird für die Reservemission eingesetzt oder kann für eine verlängerte Flugdauer bei entfernteren Zielen hinzugeschaltet werden. Die Batterien sind im Rumpf des Flugzeugs und den Flügeln untergebracht. Das Flugzeugdesign ist konventionell, verfügt aber über ein V-Leitwerk. Der fensterlose Rumpf ist mit OLED-Displays in der Kabine ausgestattet, um den Passagieren ausreichend Komfort zu bieten und gleichzeitig das Strukturgewicht zu verringern.

Video: DLR Design Challenge 2024, Entwurf der TU Braunschweig – „VoltAirs-95“
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TU Braunschweig/VoltAirs-95
3. Platz für die Duale Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg mit HYPE

Das Konzept HYPER (HYdrogen Powered Electric Regional aircraft) transportiert 89 Passagiere auf bis zu 1.250 Kilometern und verwendet eine hocheffiziente und innovative Box-Wing Flügelanordnung. Die elektrischen Antriebe werden durch eine hybride Stromversorgung gespeist: Im Reiseflug liefern Brennstoffzellen die Energie aus Flüssigwasserstoff, während Batterien zur Unterstützung in Flugphasen mit hohem Leistungsbedarf bereitstehen. Zudem sorgt ein BLI-Antrieb (Boundary Layer Ingestion; Antrieb, welcher die rumpfnahe Strömung zur Schubgenerierung verwendet) zu einer weiteren Verbesserung des Antriebswirkungsgrades.

Video: DLR Design Challenge 2024 Entwurf der DHBW Ravensburg – HYPER
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DHBW Ravensburg/HYPER
Erfolgreicher Beitrag der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen mit „EcoAir“

RWTH Aachen/EcoAir
Mit „EcoAir“ präsentiert die RWTH Aachen ein Flugzeug mit einer Kapazität von 76 Passagieren und einer Reichweite von 900 Kilometern. Das Konzept setzt auf einen hybrid-elektrischen Antriebstrang aus flüssigwasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen und Batterien. Um einen hohen aerodynamischen Wirkungsgrad zu erreichen, setzt EcoAir auf die Verwendung von klappbaren Flügelspitzen, die eine große Spannweite ermöglichen, ohne die Kompatibilität mit Flughafeninfrastrukturen zu beeinträchtigen. Zudem ist der Flügel mit einem so genannten Hybrid-Laminar-Flow-Control-System ausgestattet, bei dem die turbulente Grenzschicht durch die Flügelhaut abgesaugt wird, um den Reibungswiederstand zu verringern.
Team: Talha Sor, Yuvraj Salhan, Shuhan Yang, Constantin Koopman, Peter Faber und Prakhar Sharma
Erfolgreicher Beitrag der Universität Stuttgart mit MOBULA

Universität Stuttgart/MOBULA
MOBULA (MOdular Blended Wing Body Ultra Low Emission Aircraft) der Universität Stuttgart kombiniert die aerodynamischen Vorteile eines Nurflüglers mit einem innovativen Abfertigungsprozess am Flughafen. Der Entwurf für 72 Passagiere und einer Reichweite von 1.500 Kilometern sieht eine Teilung der Rumpfsektion von der Flügelsektion am Flughafen vor. Dadurch können bereits Passagiere ein- und aussteigen während das Flügelsegment noch abgefertigt wird. Die Abfertigung des Flugzeugs wird in Folge dessen insgesamt beschleunigt. Angetrieben wird MOBULA von sechs Elektropropellermotoren, welche durch Elektrizität aus einer Brennstoffzelle und Batterien gespeist wird. Hierfür wird der Wasserstoff in zwei austauschbaren Tanks im Heck des Flugzeuges gespeichert.
Team: Felix Wolf, Lars Wössner, Luka Wolf, Fabian Haas, Felix Fuchs und Arthur Bernhardt
Erfolgreicher Beitrag der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg mit „HydroProp“

HAW Hamburg/HydroProp
Das von der HAW Hamburg entwickelte „HydroProp“ ist für 110 Passagiere bei einer Reichweite von knapp 2.000 Kilometern ausgelegt. Es setzt auf ein konventionelles Design und wird von zwei Turboprop-Triebwerken mit Wasserstoffdirektverbrennung angetrieben, welcher kryogen gespeichert wird. Der Rumpf des Konzeptes ist auf maximale aerodynamische Effizienz optimiert und bietet trotz fensterloser Bauweise durch eingebaute OLED-Displays ausreichend Passagierkomfort.
Team: Aya Yaakoub, Bogdan Atanasoaie, Ilsa Meister und Leon Kaim