Marktmacht von Flughäfen
Die Studie entwickelt eine Methode zur Bewertung der Marktmacht europäischer Flughäfen und wendet sie auf die 50 größten in der EU an.
Der Luftverkehr ist Teil eines dynamischen globalen Umfelds aus wirtschaftlichen Entwicklungen, technologischen Innovationen und politischen Zielsetzungen. Märkte entstehen dabei im Zusammenspiel mit regulatorischen Eingriffen und gesellschaftlichen Erwartungen. Die Analyse von Märkten und Regulierung ist zentral für das Verständnis des Luftverkehrssystems und seiner Auswirkungen auf Effizienz, Wettbewerb und Nachhaltigkeit. Sie ermöglicht es, Wechselwirkungen zwischen Angebot, Nachfrage, politischen Rahmenbedingungen sowie gesellschaftlichen Erfordernissen zu erfassen und fundierte Entscheidungsgrundlagen für Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit bereitzustellen.
Staatliche Eingriffe sind im Luftverkehr allgegenwärtig – von technischen Vorgaben bis hin zu Maßnahmen, die direkt in Marktprozesse eingreifen. Sie sind insbesondere dort relevant, wo Märkte allein keine effizienten oder gesellschaftlich gewünschten Ergebnisse hervorbringen, etwa bei monopolartigen Infrastrukturen oder Umweltwirkungen, die im Marktgeschehen nicht berücksichtigt werden. Regulierung zielt darauf ab, Wettbewerb zu sichern, externe Effekte einzubeziehen oder übergeordnete Ziele wie Umweltschutz oder Konnektivität zu erreichen.
Regulatorische Eingriffe beeinflussen Wettbewerb, Marktzugänge sowie Preise und Angebote. Dabei stehen unterschiedliche Zielsetzungen im Raum, etwa Effizienz, Umweltwirkungen, Erreichbarkeit oder faire Wettbewerbsbedingungen, die sich teilweise widersprechen können. Unsere Bewertung erfolgt daher sowohl im Hinblick auf beabsichtigte Effekte als auch auf Nebenwirkungen, um Konsequenzen für Marktstrukturen und das Gesamtsystem einzuordnen.
Gleichzeitig ist Regulierung selbst Teil des Systems und kann neue Anreize, aber auch Zielkonflikte oder Ineffizienzen erzeugen. Dazu zählen hohe Transaktionskosten, unbeabsichtigte Nebenwirkungen oder Verzerrungen durch strategisches Verhalten von Marktakteuren. Sie bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen notwendiger Steuerung und möglichen Fehlwirkungen. Unsere Forschung macht diese Effekte sichtbar, um Regulierungsansätze fundiert zu bewerten und weiterzuentwickeln.
Luftverkehrsmärkte sind durch komplexe Wettbewerbsbeziehungen geprägt. Unterschiedliche Geschäftsmodelle, Kostenstrukturen und Nachfrageprofile führen zu vielfältigen Marktformen. Preise, Kapazitäten und Netzwerke entstehen aus strategischen Entscheidungen und der Nachfrageentwicklung. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, politische Vorgaben und gesellschaftliche Trends beeinflussen zusätzlich Wachstum und Marktstruktur. Unsere Analyse dieser Zusammenhänge macht Preisbildungsmechanismen, Wettbewerbsintensität und Marktverhalten nachvollziehbar.

Die Abgrenzung von Märkten ist eine zentrale Voraussetzung, um Wettbewerb und Regulierung bewerten zu können. Sie bestimmt, welche Akteure miteinander im Wettbewerb stehen und wie Maßnahmen wirken. Wir differenzieren Märkte daher nach Verkehrssegmenten, geografischen Räumen und zeitlichen Horizonten sowie nach Reisezwecken und Geschäftsmodellen. Diese strukturierte Betrachtung ermöglicht es uns, Marktmechanismen zu erfassen und Unterschiede zwischen einzelnen Teilmärkten sichtbar zu machen.
Mit der Analyse von Märkten und Regulierung trägt das DLR-Institut für Luftverkehr wesentlich zum Verständnis des Luftverkehrssystems bei. Wir helfen dabei, Entwicklungen und politische Maßnahmen einzuordnen und deren Auswirkungen auf Marktstrukturen und gesellschaftliche Ziele besser zu verstehen. Auf dieser Basis entwickeln wir auch neue regulatorische Ansätze, beispielsweise zu Umweltfragen, Marktzugangsregeln oder zur Organisation der Flugsicherung.
Damit entstehen belastbare Grundlagen und Handlungsoptionen – sowohl für politische Entscheidungsträger als auch für wirtschaftliche Akteure und die Gesellschaft – und für die Weiterentwicklung des Luftverkehrs in Richtung effizienter, nachhaltiger und ausgewogener Strukturen.