Neugierig auf alles

experimenta gGmbH
Papierflieger, Plastikfiguren an Serviettenfallschirmen und auch Raketen aus Papier schießen durch den Raum. Im Hintergrund spielt eine Gruppe Kinder an einer riesigen Wasserbahn – ich werde zurückgeworfen in meine Kindheit und vergesse fast, dass ich erstens schon erwachsen und zweitens beruflich hier bin. Herzlich willkommen in der Experimenta in Heilbronn.
Im Entdecker-Paradies
Die Experimenta versteht sich als Erlebnismuseum. Die Entdecker-Reise startet auf der vierten Etage. Dort lernt man vor allem etwas über die vier Elemente unserer Welt. Eine Etage darunter geht es um das visuelle Gedächtnis und das eigene Körpergefühl. Optische Illusionen und Wimmelbilder prägen die Szenerie der zweiten Etage.
An insgesamt 275 Ausstellungsstationen kann man ausprobieren, Knöpfe drücken, Hebel umlegen. Immer mit dabei ist der digitale Rucksack: ein Armband, das man bei Betreten des Mitmachmuseums ausgehändigt bekommt. An vielen Stationen gibt es die Möglichkeit, sich durch kurzes Band-Auflegen einzuloggen und zu speichern, was man kreiert und erlebt. Am Ausgang lässt man sich alles als digitales Paket an die eigene E-Mail-Adresse schicken.
Vom Alltag fasziniert
Die letzte Station der Ausstellung befindet sich im ersten Obergeschoss. Sie ist Alltagsgegenständen gewidmet, denen normalerweise nicht so viel Beachtung zukommt. Wussten Sie, dass man mit einfachen Gummibändern eine Melone zum Explodieren bringen kann – wenn man nur genug davon um die Frucht spannt? Oder dass ein Weinglas in Scherben zerspringt, wenn man es durch Schallwellen ausreichend in Schwingung versetzt? Das und viele weitere spannende Slow-Motion-Experimente sind auf einer interaktiven Leinwand dargestellt.
Außerdem können Besuchende eine Reihe von Tests mit Elementen des Alltags machen. Wie kratzresistent sind Holz, Stahl oder Beton? Wie klingen diese Stoffe oder wie gut ist ihre Kraftübertragung? Letzteres testet man zum Beispiel, indem man von einer kleinen Anhöhe auf eine Waage springt. Auf der Waage kann man jeweils eine Schicht Teppich oder Plastik platzieren und so beobachten, wie stark der Aufprall durch die unterschiedlichen Materialien gedämpft wird.

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Nichts ist in Stein gemeißelt
Die Ausstellungen auf den einzelnen Etagen sind kunstvoll gestaltet und bieten so viel zu entdecken, dass sich auch ein zweiter Besuch lohnt. Denn neben der Hauptausstellung gibt es Filme und Live-Shows, die man sich zusätzlich anschauen kann und die im Eintrittspreis enthalten sind. Aktuell ist die Sonderausstellung „KI – Einblicke & Ausblicke“ in einem kleinen Nebengebäude zu sehen. Sie widmet sich der Geschichte künstlicher Intelligenz. Erste Versuche mit Robotern, die eigenständig zu Lichtquellen fahren, gab es bereits um 1940.
Neugierige können einzelne KI-Anwendungen selbst ausprobieren, zum Beispiel einen Text-Generator, der mit den Vorgaben „Thema“, „Art des Textes“ und „Stimmung“ einen Lied-Text entwirft. Ich entscheide mich für ein inspirierendes Space-Gedicht im Stil von Shakespeare: „Die Sterne tanzen leise in der Nacht – ein Schauspiel für die Ewigkeit gemacht.“ Mit diesen Worten und einer Menge neu gewonnener Begeisterung für das Alltägliche in meinem digitalen Rucksack verlasse ich die Experimenta.
Ein Beitrag von Lukas Lenz aus dem DLRmagazin 178. Obwohl die Versuchung zwischen Papierflieger bauen und mit der Wasserbahn spielen für Lukas Lenz, Werksstudent in der DLR-Kommunikation, groß war, konnte er dennoch diesen Museumsbericht schreiben.