Artikel aus dem DLRmagazin 179: Das Wahrzeichen Brüssels – früher und heute

Universum im Inneren des Atoms

Atomium – Symbol Brüssel und Belgiens
Blickfang am Rand der europäischen Hauptstadt: das in den 1950er Jahren erbaute Atomium.
Credit:

asbl Atomium – Axel Addington

Der Panoramablick fällt durch ein sepia-foliertes Fenster auf den charakteristischen Zentralbau der Brüsseler Messe. Eine silberglänzende Riesenkugel rückt in den Fokus. Die untergehende Herbstsonne tut ihr Übriges, um die Szenerie surreal wirken zu lassen – als wäre ein Raumschiff dabei, neben einem Aztekentempel zu landen. Willkommen im Atomium, einem Ausstellungsgebäude, das selbst ein Kunstwerk ist.

Vom Symbol zur Ikone

Die Erkundung beginnt in einer Dauerausstellung, die sich über zwei Ebenen er- streckt und die Geschichte des Atomiums im Kontext der Weltausstellung 1958 erzählt. Ähnlich wie der Eiffelturm war auch der belgische Expo-Beitrag als Provisorium geplant. Das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Wahrzeichen von Paris markierte den Beginn des elektrischen Zeitalters, der Bau des Atomiums knapp 70 Jahre später fiel zeitlich zusammen mit dem Start der zivilen Kernenergienutzung – Aufbruchsstimmung in beiden Fällen. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen dem Pariser und dem Brüsseler Wahrzeichen: Nach Ende der Weltausstellungen hatte die jeweilige Bevölkerung diese technoid-futuristischen Unikate so liebgewonnen, dass an den ursprünglich geplanten Rückbau nicht zu denken war. Mit der Zeit aber korrodierte die Außenhaut. Zu Beginn der Nullerjahre wurde deshalb eine aufwändige Restaurierung durchgeführt und die Verkleidung der Kugeln komplett gegen rostfreien Edelstahl ausgetauscht – auch dieses „Make-over“ ist Gegenstand der Dauerausstellung. 2026 feiert das Atomium den 20. Jahrestag seiner Wiedereröffnung.

Auf verschlungenen Wegen

Eine gefühlt unendlich lange Rolltreppe stimmt auf die nun folgenden künstlerischen Licht- und Klanginstallationen ein. Bei dem Übergang zwischen den Elementarteilchen ist man ganz im Dunkeln, umgeben nur von sphärischen Klängen und einzelnen pulsierenden Lichteffekten.

Seit 2013 gibt das Atomium Künstlerinnen und Künstlern im Rahmen von Wechselausstellungen freie Hand, in einem Teil der Kugeln Projekte zu realisieren, welche die Einzigartigkeit dieses Weltkulturerbes feiern. Seit 2023 fokussiert man in diesem Kontext voll und ganz auf digitale Kunst: immersive Installationen sowie Live Performances.

Einblick in die erfolgreiche Wechselausstellung „Crossing“
Crossing ist ein digitales und symphonisches Werk.
Credit:

asbl Atomium – Lio Photography

Das französische Künstlerkollektiv Visual System hat zum Beispiel für die zentrale Kugel eine permanente Installation entworfen – einen fast schon psychedelischen „Lichtpilz“ mit wechselnden Lichteffekten in Rotation um einen zentralen Zylinder, umgeben von Skulpturenbänken. Hier kann man sich etwas ausruhen, bevor man die nächsten Ausstellungskugeln erkundet.

Oder man macht es ganz anders, fährt mit dem Aufzug aus dem Erdgeschoss direkt an die Spitze des Atomiums und gibt sich währenddessen der Installation „Look up“ hin. Oben angekommen, hat man aus 92 Metern Höhe Aussicht bis hin zum knapp zehn Kilometer entfernten Stadtzentrum der europäischen Metropole.

Was kommt als Nächstes?

Seit dem 14. Februar dieses Jahres locken zwei neue temporäre Ausstellungen: „Nimbus“ (von dem bereits erwähnten Visual System) und „Supply Chain“ (von dem französischen Künstler Romain Tardy).

Generell lässt sich sagen, dass alle Licht- und Klanginstallationen des Atomiums den denkbar größten Bogen schlagen. Wenn man sich darauf einlässt, überschreitet man eine unsichtbare Grenze, begibt sich auf eine Reise durch den Raum, vergisst dabei die Zeit. Gleichgültig bleiben kann man hier nicht. Deshalb die klare Empfehlung: Hingehen – am besten am frühen Vormittag, da ist der Besucherandrang weniger stark – und Eintauchen in Vergangenheit und Gegenwart dieses übergroßen Eisenkristalls.

Ein Beitrag von Michael Müller aus dem DLRmagazin 179

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