V&V4Transformation – Sichere Automatisierung durch fortschrittliche Simulation

Im Projekt V&V4Transformation (Verification & Validation Methods and Toolchains for Mobility Transformation) werden Methoden und Werkzeugketten entwickelt und implementiert, um die Sicherheit automatisierter Fahrfunktionen nachzuweisen und fortlaufend im Betrieb zu gewährleisten. Der Fokus liegt auf dem Paradigmenwechsel von reinen Realfahrten hin zur Nutzung von gemischt-virtuellen Simulationsumgebungen im Rahmen der Zulassung autonomer Fahrzeuge (Level 4 und Level 5).

V&V4Transformation
Betriebsbereiche und Verkehrsszenarien für autonome Fahrzeuge

Die Herausforderung: Komplexität vs. Sicherheit

Betriebsbereiche und Verkehrsszenarien für autonome Fahrzeuge sind "Open-World"-Umgebungen, die ständigen Veränderungen unterliegen. Ein klassisches "Freifahren" im Feld reicht für den Sicherheitsnachweis nicht mehr aus. Stattdessen ist es erforderlich, Fahrzeuge bereits in der Entwicklungsphase sowie kontinuierlich im Betrieb virtuell zu zertifizieren.

Dies erfordert:

  • Validierte Digitale Zwillinge: Hochpräzise Abbildungen von Betriebsbereichen, die auf Echtzeitdaten basieren.
  • Effiziente V&V-Methoden: Simulationstechnologien, die den Sicherheitsnachweis (Safety of the Intended Functionality – SOTIF) wirtschaftlich und reproduzierbar gestalten.
  • Skalierbarkeit: Methoden, die von der Komponentenentwicklung bis zum Systemtest im realen Einsatzraum funktionieren.

Der Ansatz: Vom digitalen Modell zum simulativen Test

V&V4Transformation
Beispielhafte Elemente des Verifikations- und Validierungsframeworks mit darauf aufbauenden kundenspezifischen Toolketten

V&V4Transformation baut auf dem bestehenden "NGC Simulation Framework" des DLR auf und erweitert es. Es wird ein integrativer Ansatz verfolgt, der verschiedenste Automotive-Simulatoren verbindet.

Das Herzstück der Strategie ist die automatisierbare Erstellung und Verwendung von validierten Digitalen Zwillingen zur Entwicklung, Erprobung und Zulassung autonomer Fahrzeuge. Diese entsprechen einer virtuellen Darstellung eines konkreten physischen Verkehrsbereichs (einschließlich Straßeninfrastruktur, Gebäude und dynamischem Umgebungsverkehr). Basierend auf diesen validierten Modellen entwickelt das Projekt effiziente Werkzeugketten für:

  1. Risikobewertung innerhalb definierter Betriebsbereiche (ODD).
  2. Erstellung digitaler Zwillinge abgeleitet aus Realdaten.
  3. Generierung kritischer Testszenarien abgeleitet aus Realdaten und formalen Spezifikationen.
  4. Simulatives Testen der Automatisierungsfunktionen gegen diese Szenarien, um Software-Updates und ODD-Erweiterungen sicher vorzubereiten.

Konkrete Anwendungsfälle & Demonstratoren

Die entwickelten Methoden und Werkzeugketten werden nicht nur theoretisch erarbeitet, sondern in praxisnahen Use-Cases evaluiert und demonstriert. Dabei stehen urbane Mobilität und Logistik im Fokus:

  • Städtische Mobilität am Quartier "Schwarzer Berg" Braunschweig:
    Evaluierung eines autonomen Personentransport (L4-Shuttles basierend auf dem Konzept U-Shift) in einem komplexen urbanen Quartier. Hier wird demonstriert, wie durch Simulation die Sicherheit für autonome Fahrzeuge in dicht bebauten Gebieten nachgewiesen und wie Software-Funktionen fortlaufend an neue Anforderungen und Situationen angepasst werden können.
  • Hub-to-Hub Logistik auf der Autobahn:
    Evaluierung des autonomen Gütertransport (L4-Truck basierend auf dem "Long Haul Robot Truck", LHRT) im Testfeld Niedersachsen. Der Fokus liegt hier auf der Absicherung von Überlandfahrten unter verschiedenen Verkehrsbedingungen, um den Güterverkehr effizienter zu gestalten.
  • Vernetzung & Transfer:
    Das Projekt arbeitet eng mit Kooperationspartnern zusammen (u. a. ACT4Transformation, IMoGer, LORe), um das Transferpotential der Ergebnisse für die gesamte Mobilitätstransformation auszuschöpfen und Standards für die Zertifizierung hochautomatisierten Fahrens zu erarbeiten.

Projektziele & Erwartete Ergebnisse

Das übergeordnete Ziel des Projekts V&V4Transformation ist es, Hürden für die Marktreife autonomer Fahrzeuge abzubauen, indem Methoden für die Nachweisbarkeit und Zertifizierbarkeit von autonomen Fahrzeugen entwickelt werden.

Die Kernziele im Überblick:

  • Digital Twin Factory: Entwicklung automatisierbarer Methoden zur Erstellung validierter Digitaler Zwillinge von Verkehrsbereichen.
  • Szenarienbasierte V&V: Effiziente Technologiekette für die Definition von Risikobewertungen und das Generieren relevanter Testfälle.
  • Validierung im Simulationsraum: Virtuelles Testen von Fahrfunktionen (inkl. Interaktion mit Fußgängern/Verkehr) gegen erstellte Szenarien.
  • Zertifizierungsstandards: Erarbeitung wissenschaftlich fundierter Best-Practices und Standards für die Absicherung autonomer Fahrzeuge gemäß aktueller Gesetzgebung.
  • Industrielle Anwendbarkeit: Erfolgreicher Nachweis der Technologien in den oben genannten Use-Cases (L4 Shuttle, L4 Truck) inklusive Demonstration zur Erweiterung des zulässigen Betriebsbereichs (ODD).

Werkzeuge und Methoden, die im vorangegangenen Forschungsprojekt V&V4NGC entwickelt wurden

Neben den Methoden und Werkzeugen zur Entwicklung und Erprobung technischer Systeme liegt ein weiterer Fokus auf Methoden und simulationsbasierten Werkzeugen zur Mensch-Maschine-Interaktion. Dazu gehören sowohl echtzeitfähige Simulationen mit menschlichen Probanden in Fahrsimulatoren als auch modellbasierte Simulationen der Mensch-Maschine-Interaktion unter Verwendung rechnergestützter Modelle menschlichen Verhaltens. Mit diesen unterschiedlichen simulationsbasierten Methoden und Werkzeugen konnten bereits zahlreiche heterogene Studien und Tests erfolgreich durchgeführt werden. Alle im Folgenden dargestellten Verifikations- und Validierungstoolketten (V&V) verwenden Komponenten des NGC Simulations-Frameworks.

V&V4Transformation – Sichere Automatisierung durch fortschrittliche Simulation

Beteiligte Institute und Einrichtungen des DLR

Kontakt

Dr. Kim Grüttner

Projektkoordination
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
DLR-Institut Systems Engineering für zukünftige Mobilität
Escherweg 2, 26121 Oldenburg