4. Februar 2026 | Mission Mars Express

Flug um den Flaugergues-Krater auf dem Mars

  • Ein neues Video zeigt einen virtuellen Rundflug um den Mars-Krater „Flaugergues“.
  • Diese Einschlagstruktur hat einen Durchmesser von 245 Kilometern und befindet sich im südlichen Marshochland.
  • Der Film wurde auf Grundlage eines Bildmosaiks der High Resolution Stereo Camera (HRSC) des DLR an Bord der Mission Mars Express erstellt.
  • Mithilfe von HRSC-Bilddaten werden seit 2004 dreidimensionale Geländemodelle der Marslandschaft erstellt.
  • Hierdurch können geologische Prozesse in der Frühzeit des Planeten rekonstruiert werden.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Exploration, Mars

Ein virtueller Rundflug um einen gewaltigen Einschlagskrater – dieses neue Video rückt eine markante Formation im südlichen Marshochland in den Fokus: Der Krater Flaugergues hat einen Durchmesser von 245 Kilometern, was in etwa der Ost-West-Ausdehnung von Belgien entspricht. Grundlage für die Animation sind Bilddaten der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) an Bord der ESA-Mission Mars Express. HRSC ist ein Kameraexperiment, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde und seit Januar 2004 den Mars umkreist.

Die aus den Bilddaten berechneten digitalen Geländemodelle ermöglichen eine dreidimensionale Visualisierung der Marslandschaft. Durch die genaue Vermessung von Oberflächen mithilfe dieser Daten können geologische Prozesse in der Frühzeit des Mars in ihrer Art und Anzahl rekonstruiert werden. Auf der sich dynamisch verändernden Erde ist dieser Blick in die Frühzeit des Planeten nicht möglich.

Weitläufige Einschlagstrukturen wie der Flaugergues-Krater haben Forschenden dabei geholfen, das Alter weiter Teile des südlichen Marshochlandes auf das Mittlere Noachium, also heute vor etwa 3,94 Milliarden Jahren, zu datieren. Zu dieser Zeit war das Sonnensystem erst eine halbe Milliarde Jahre alt. Es gab noch große Asteroiden, die wesentlich häufiger mit den Körpern des inneren Sonnensystems kollidierten als heute. Der Körper, der den Krater erzeugt hat, dürfte eine Größe zwischen 15 und 25 Kilometern gehabt haben.

Benannt wurde der im Video vorgestellte Krater nach dem französischen Astronomen Honoré Flaugergues, der von 1755 bis 1835 lebte. Schon als Kind interessierte er sich für Astronomie. Das Wissen über unser Sonnensystem eignete er sich, unterstützt durch seinen Vater, eigenständig an. Obwohl er nie eine Universität besuchte, veröffentlichte er später Abhandlungen nicht nur auf dem Gebiet der Astronomie, sondern auch der Medizin und der Archäologie.

Video: Rundflug über den Flaugergues-Krater auf dem Mars
Dieses Video nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise zu einer markanten Struktur im südlichen Mars-Hochland: Inmitten von zerklüftetem Terrain befindet sich der Flaugergues-Krater mit einem Durchmesser von 245 Kilometern. Grundlage für die Animation sind Bilddaten der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) an Bord der ESA-Mission Mars Express. HRSC ist ein Kameraexperiment, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde.
Credit:

ESA/DLR/FU Berlin/NASA/MSS

Die „Flugroute“

Der Rundflug beginnt bei Scylla und Charybdis Scopuli, führt nach Norden zur Ostseite des Kraters Flaugergues und umrundet ihn dann gegen den Uhrzeigersinn bis zu seinem westlichen Rand. Die beiden Scopuli (lateinisch für Felsen) sind unregelmäßige Steilhänge, die eine langgezogene und relativ ebene Senke umschließen. Sie ist etwa 75 Kilometer breit und liegt bis zu 1.000 Meter tiefer als das umgebende Terrain. Die vergleichsweise geringe Dichte an Einschlagskratern innerhalb dieser grabenartigen Struktur weist auf ein jüngeres Alter gegenüber der Umgebung hin. Gleichzeitig lässt die Morphologie vermuten, dass die Senke durch vulkanische Ablagerungen verfüllt wurde. An einer Stelle lassen sich die Überreste einer Auswurfdecke (Ejecta) erkennen, die von einem Einschlagskrater im Osten stammt und sich teilweise in der Senke abgelagert hat.

Westlich hiervon passiert man nun einen weiteren großen Einschlagskrater namens Bakhuysen, der einen Durchmesser von 150 Kilometern hat und vor ungefähr 3,7 Milliarden Jahren entstanden ist. Danach rückt nun der Krater Flaugergues ins Bild. Auffällig ist, dass sein Boden nicht einheitlich flach verfüllt ist, wie die der meisten anderen Krater seines Alters. Flaugergues‘ Boden wird etwa zur Hälfte von einem zerklüfteten, bis zu tausend Meter hohen Gelände dominiert, das von einem kleinen Tal durchschnitten wird.

Im Gegensatz dazu ist der nördliche Teil des Kraterbodens eine fast überall flache Ebene, die nur von einigen faltigen Rücken durchzogen wird. Diese Rücken deuten darauf hin, dass es sich hierbei um eine Verfüllung mit dünnflüssiger Lava handelt. Das erhöhte Terrain wurde wahrscheinlich nach der Entstehung des Kraters und nach der Verfüllung mit Lava von außen kommend aufgeschüttet.

Geologische Datierungen zeigen, dass diese Verfüllung in etwa dasselbe Alter aufweist wie die Füllung der langgestreckten Senke, die von den beiden Scopuli begrenzt wird. Das erhöhte Terrain in Flaugergues ähnelt morphologisch stark dem umgebenden alten Hochland, weshalb es in einigen geologischen Kartierungen zeitlich vor der Lavaverfüllung eingeordnet wird. Die Grenzfläche zwischen beiden Einheiten deutet jedoch darauf hin, dass die Lavafüllung stratigraphisch unterhalb der stark zerklüfteten Einheit liegt und somit vorher abgelagert wurde.

Bildbearbeitung

Dieser Film wurde auf Grundlage eines Bildmosaiks der High Resolution Stereo Camera an Bord von Mars Express erstellt. Der Datensatz (Mars Chart HMC20W) wurde mit topografischen Informationen aus dem digitalen Geländemodell (DGM) der Stereokamera kombiniert, um eine dreidimensionale Landschaft zu erzeugen. Die Ansicht ist auf 20 Grad Süd und 17 Grad Ost zentriert. Für jede Sekunde des Films werden 50 Einzelbilder gerendert, die einem vordefinierten Kamerapfad in der Szene folgen. Die für die Animation verwendete vertikale Überhöhung ist dreifach. Atmosphärische Effekte wie Wolken und Dunst wurden hinzugefügt, um die Grenzen des Geländemodells zu verschleiern. Der Dunst beginnt sich in 250 Kilometer Entfernung aufzubauen.

Zu den HMC20-Produkten gehören Multi-Orbit-DGMs und orthorektifizierte Bildmosaike, die aus HRSC-Einzelbildern generiert wurden, sowie Folgeprodukte wie pan-geschärfte Farbmosaike. „Orthorektifizierung“ ist der Fachbegriff für die geometrische Korrektur eines Bildes. Hierzu werden Reliefverzerrungen, Sensorartefakte und sonstige Perspektivverzerrungen entfernt.

Die HMC20-Datenprodukte sind nach einer modifizierten Version des Kachelschemas USGS MC-20 des U.S. Astrogeology Science Center organisiert. Alle HMC20-Produkte basieren auf einer Bündel-Block-Anpassung der Stereobilder und sind in der globalen MOLA-Referenz registriert.

Weiterführende Links

Das HRSC-Experiment auf Mars Express

Die hochauflösende Stereokamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Wissenschaftsteam unter der Leitung von Dr. Daniela Tirsch, Principal Investigator (PI), besteht aus 50 Co-Investigatoren aus 35 Institutionen und elf Ländern. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Weltraumforschung (ehemals DLR-Institut für Planetenforschung) in Berlin-Adlershof betrieben.

Kontakt

Michael Müller

Redakteur
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
Linder Höhe, 51147 Köln
Tel: +49 2203 601-3717