DLR-Forschung zu Vertiports, Passagierentscheidungen und Airline-Planung auf der EWGT 2026

- Vertiports und ihre Anbindung an das bestehende Verkehrsnetz
- Passagierentscheidungen und digitale Planungsprozesse
- Innovationsbarrieren auf dem Weg zu nachhaltiger Mobilität
Vom 2. bis 4. September 2026 traf sich die internationale Verkehrsforschungs-Community auf der 28. Annual Conference der EURO Working Group on Transportation (EWGT 2026) in Krakau, Polen. Im Mittelpunkt der Konferenz standen die Herausforderungen, vor denen moderne Verkehrssysteme stehen: Sie sollen effizient, nachhaltig und für alle zugänglich sein und gleichzeitig auf globale Entwicklungen wie den Klimawandel, technologische Veränderungen und neue Anforderungen an Sicherheit und Resilienz reagieren.
Das DLR-Institut für Luftverkehr war mit mehreren wissenschaftlichen Beiträgen auf der EWGT 2026 vertreten. Die Beiträge zeigen die Bandbreite der Forschung des Instituts zum Luftverkehr und seinen Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern – von der Integration neuer Mobilitätsformen über die Modellierung von Passagierprozessen und die Optimierung der Airline-Planung bis hin zu den Rahmenbedingungen für die Einführung von Innovationen im Verkehr.
Innovative Air Mobility: Vertiports als Teil der Mobilitätskette
Wie gut sich Innovative Air Mobility (IAM), also die Verwendung von elektrischen Flugtaxis und Drohnen in beispielsweise urbanen Räumen, in bestehende Verkehrssysteme integrieren lässt, hängt von der Lage potenzieller Vertiports und ihrer Anbindung an das bodengebundene Verkehrsnetz ab. Ein Vergleich der Region Kampanien in Italien und der Metropolregion Hamburg untersucht die Wahl der Verkehrsmittel für die An- und Abreise zu beziehungsweise von den modellierten Vertiport-Standorten. Dabei zeigen sich Unterschiede: In Hamburg spielt der öffentliche Verkehr bei der Anbindung gezielt platzierter neuer Vertiport-Standorte eine größere Rolle. In Kampanien dominiert durch die Nutzung bestehender, schlechter angebundener Flugfelder der Pkw deutlich.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahl geeigneter Vertiport-Standorte und die vorhandene Verkehrsinfrastruktur entscheidend dafür sind, ob IAM seine erwarteten Mobilitäts- und Nachhaltigkeitsvorteile entfalten kann.1 Die Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit der Universität Neapel Federico II, Department of Civil, Building and Environmental Engineering, sowie dem italienischen Luft- und Raumfahrtforschungszentrum (CIRA).
Passagierperspektive: Zeit und Kosten gemeinsam betrachten
Wie Passagiere bei zeitkritischen Situationen in der Reisekette individuelle Entscheidungen treffen, lässt sich mithilfe eines erweiterten Passagiertrajektorien-Modells untersuchen. Der vorgestellte Ansatz berücksichtigt neben den zeitlichen Abläufen einer Reise auch wirtschaftliche Faktoren und ermöglicht beispielsweise die Modellierung kostenpflichtiger Priorisierungsangebote für die Sicherheitskontrolle am Flughafen. Die Ergebnisse für dieses Beispiel zeigen, dass eine kostenpflichtige Priorisierung bei der Sicherheitskontrolle bei moderater Nutzung den Nutzenden deutliche Zeitvorteile ermöglichen kann. Bei zu hoher Auslastung nimmt der Vorteil durch zusätzliche Wartezeiten jedoch wieder ab.2
Digitaler Airline-Zwilling: Flottenzuordung und Wartungsplanung
Bei der Airline-Planung können Entscheidungen in einem frühen Planungsschritt spätere Prozesse beeinflussen. Durch zusätzliche Anforderungen in nachgelagerten Prozessen kann sich der ursprüngliche Plan als undurchführbar erweisen, sodass umgeplant werden muss. Im Rahmen des Digitalen Airline-Zwillings wurde deshalb am DLR-Institut für Luftverkehr ein Verfahren entwickelt, das Probleme bei der späteren Wartungsplanung automatisch erkennt und entsprechende Rückmeldungen in die Flottenzuweisung integriert. Durch die Kommunikation der Modelle wird insbesondere sichergestellt, dass ein bestimmter Flugzeugtyp nicht zu stark ausgelastet ist. Das Verfahren kann auch komplexe Flugpläne so optimieren, dass die notwendige Wartung der eingesetzten Flugzeuge ermöglicht wird.3
Verkehrsinnovationen: Was verhindert die Umsetzung?
Vielversprechende Innovationen setzen sich im Verkehrssektor nicht automatisch in der Praxis durch. Eine systematische Literaturauswertung von 16 Innovationen – zum Beispiel intermodale Innovationen wie Fernbus-Hubs an Flughäfen – untersucht deshalb, welche Barrieren bei ihrer Einführung auftreten und welche Herausforderungen verschiedene Innovationen gemeinsam haben. Die Ergebnisse zeigen sowohl innovationsspezifische als auch übergreifende Hemmnisse für die Umsetzung nachhaltiger Verkehrslösungen. Die Untersuchung entstand im Rahmen des DLR-Projekts ViMiTrans, das Modelle und Werkzeuge für die Entwicklung und Bewertung von Transformationspfaden in Städten und Regionen entwickelt.4
Weiterführende Links
1 Cosenza, V., Pertz, J., Villani, V., Pariota, L., Travascio, L., Vozzella, A., Lütjens, K., Bifulco, G. N. „Adoption of access mode to air transport: a comparison of Italian and German study cases“, 28. Euro Working Group on Transportation Annual Meeting 2026 – EWGT2026, Krakau, Polen.
2 Rudolph, F., Ennen, D., Milbredt, O., Timmer, M. „Extension of the passenger-trajectory for individual economic decision-making at airports“, 28. Euro Working Group on Transportation Annual Meeting 2026 – EWGT2026, Krakau, Polen.
3 Röhrs, M., Albrecht, S., Ehlers, T., Lütjens, K. „Automatic generation and integration of maintenance feasibility feedback into the fleet assignment model“, 28. Euro Working Group on Transportation Annual Meeting 2026 – EWGT2026, Krakau, Polen.
4 Engel, M. „Barriers to innovation in the transport sector: a structured literature review across innovation types (in ViMiTrans)“, 28. Euro Working Group on Transportation Annual Meeting 2026 – EWGT2026, Krakau, Polen.