11. September 2026

Wetter, Drohnen, Quanten und KI: DLR-Institut für Luftverkehr auf dem DLRK 2026

  • Sicherer Betrieb von Kleinflugzeugen bei Wind und Wetter
  • Lassen sich Abflugzeiten mithilfe von Quantenalgorithmen effizienter zuweisen?
  • Wie leistungsfähig sind Flying Ad-hoc Networks für die Kommunikation von Drohnen?
  • Wirtschaftliches Potenzial von KI in der Flugsicherung

Drei Tage lang drehte sich beim Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) 2026 in Aachen alles um neue Technologien, konkrete Forschungsansätze und ihre Anwendung in der Luft- und Raumfahrt. Vom 8. bis 10. September kamen im Eurogress Aachen mehr als 1.000 Teilnehmende zusammen und präsentierten in über 500 Fachvorträgen und auf zahlreichen Postern ihre Arbeiten.

Das DLR-Institut für Luftverkehr war auf dem Stand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit einem LED-Exponat zu den Potenzialen und zur Sicherheit neuer Regionalflugkonzepte am Beispiel der Städteregion Aachen vertreten. Eine zusätzliche VR-Anwendung zeigte auf Basis der Studie DEPA 2070 mögliche Entwicklungen der globalen Luftverkehrsemissionen. Zudem präsentierte das Institut aktuelle Forschung zu Herausforderungen beim Betrieb neuer Fluggeräte sowie zu Technologien für die künftige Planung und Steuerung des Luftverkehrs.

Wetterbedingte Einsatzfähigkeit von Kleinflugzeugen

Ungünstige Wetterbedingungen stellen insbesondere Kleinflugzeuge vor Herausforderungen. Im Rahmen des Projekts SMART-MET wird daher untersucht, wie Wetterbedingungen die Sicherheit und Verfügbarkeit von Flugrouten für Kleinflugzeuge beeinflussen. Am DLR-Institut für Luftverkehr wurden anhand von meteorologischen Verfügbarkeitsindizes Faktoren wie Vereisung, eingeschränkte Sicht, Gewitter, Wind, extreme Temperaturen und Niederschlag analysiert. Auf Grundlage historischer Wetterdaten des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) wurde die wetterabhängige Routenverfügbarkeit für ein repräsentatives Routennetzwerk in Nordrhein-Westfalen modelliert. Die Ergebnisse zeigen, in welchem Umfang Wetterbedingungen einen kontinuierlichen Betrieb einschränken können.

SMART-MET betrachtet darüber hinaus weitere sicherheitsrelevante Aspekte des Betriebs von Kleinflugzeugen. Dazu wird unter anderem untersucht, welche Abstände zu Wirbelschleppen an Vertiports für einen sicheren Betrieb erforderlich sind und wie ein entsprechendes Wirbelwarnsystem dabei unterstützen kann. Ergänzend geht es um Sensoren zur Erfassung von Vereisung sowie energieeffiziente Enteisungssysteme. 1

Kommunikation in Drohnennetzwerken

Ein weiterer Beitrag beschäftigte sich mit der direkten Kommunikation zwischen Drohnen ohne fest installierte Kommunikationsinfrastruktur am Boden. Durch die Direktverbindungen können Drohnen selbst ein dynamisches Kommunikationsnetzwerk – ein sogenanntes Flying Ad-Hoc Network (FANET) – zum Austausch von Daten auch mit weiter entfernten Teilnehmern ausbilden. Die Leistungsfähigkeit eines solchen FANET hängt jedoch stark von Anzahl und Dichte der verfügbaren Drohnen und damit von der Nachfrage nach konkreten Drohnenanwendungen ab. Untersucht wurde in dem Beitrag des DLR, wie sich in einem urbanen Szenario eine unterschiedliche räumliche Verteilung der Nachfrage nach Drohnen-Paketlieferungen auf die Leistungsfähigkeit eines solchen Netzwerks auswirkt. Daraus können technische Anforderungen an die dafür notwendigen Kommunikationssysteme abgeleitet werden.2

Quantenalgorithmen für die taktische Flugplanung

Untersucht wurde außerdem, wie sich verfügbare Quantenalgorithmen für die taktische Vergabe von Abflugzeiten unter Berücksichtigung von Luftraumkapazitäten eignen. Dafür wurden Testinstanzen der Modellformulierung aus realen Flugplandaten abgeleitet, um einen simulierten Quantenalgorithmus mit einer klassischen Optimierungsmethode zu vergleichen. Die Studie untersucht die Lösungsqualität und -zulässigkeit und zeigt auf, welche Modellgrößen auf heutiger Quantenhardware abbildbar sind. Die Analysen zeigten, dass insbesondere die Anzahl möglicher Abflugzeiten für jeden Flug und die für die Abbildung von Kapazitätsbeschränkungen benötigten Variablen die Größe des Quantenmodells bestimmen. Damit lassen sich das aktuelle Potenzial von Quantenalgorithmen einordnen und Ansatzpunkte für weitere Forschung identifizieren.3 Die Untersuchung ist entstanden im Projekt QCMobility als Teil der DLR Quantencomputing-Initiative (QCI).

Künstliche Intelligenz in der Flugsicherung

Ein weiterer Forschungsbeitrag widmete sich dem wirtschaftlichen Potenzial eines KI-gestützten „Digital Interactive Reliable Controller“ (DIRC) für die europäische Flugsicherung. Vor dem Hintergrund steigender Verspätungen und des Fachkräftemangels wurde untersucht, wie die Unterstützung von Fluglotsinnen und Fluglotsen durch künstliche Intelligenz die Kapazität und Effizienz der Flugsicherung verbessern und gleichzeitig Kosten reduzieren könnte. Die Untersuchung entstand im Rahmen des DLR-Projekts LOKI unter Leitung des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin, das die Grundlagen für einen sicheren, zuverlässigen und nachvollziehbaren Einsatz von KI in der Flugführung und Flugsicherung erforscht. Im Fokus steht dabei insbesondere die vertrauenswürdige Zusammenarbeit von Menschen und KI-Systemen.4

Weiterführende Links

1 El Kadaoui, H., Swaid, M., Lau, A. (DLR-Institut für Luftverkehr) „Meteorological-Dependent Route Availability for Small Electric Aircraft: An Index-Based Framework Using ERA5 Data“, Deutscher Luft- und Raumfahrtkongress 2026 – DLRK 2026, Aachen, Deutschland.

2 Marks, T. (DLR-Institut für Luftverkehr) „Interrelation of spatial demand distribution and FANET performance in varying urban UAS package delivery scenarios“, Deutscher Luft- und Raumfahrtkongress 2026 – DLRK 2026, Aachen, Deutschland.

3 Kanitz, R., Solzer, J., Buchtal, K. (DLR-Institut für Luftverkehr), Tarantola, A., Schindler, M. (DLR-Institut für Quantentechnologien), Lau, A. (DLR-Institut für Luftverkehr) „Kapazitätsbeschränkte Slot-Allokation: Benchmarks und Machbarkeitsanalyse unter NISQ-Bedingungen“, Deutscher Luft- und Raumfahrtkongress 2026 – DLRK 2026, Aachen, Deutschland.

4 Engel, M., Wozny, F., Jung, M. (DLR-Institut für Luftverkehr) „Economic Potential of the Digital Interactive Reliable Controller (DIRC)“, Deutscher Luft- und Raumfahrtkongress 2026 – DLRK 2026, Aachen, Deutschland.

Kontakt

Franziska Bietke

Institutskommunikation
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
DLR-Institut für Luftverkehr
Blohmstraße 20, 21079 Hamburg
Tel: +49 40 2489641-209