DLR-Billigfliegerreport

Rekordzahl an Flugverbindungen mit sinkenden Preisen

Montag, 20. Mai 2019

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  • Zahl europaweiter und interkontinentaler Verbindungen steigt erneut auf Rekordniveau.
  • Zehnprozentige Steigerung des Low Cost-Flugverkehrs ab Deutschland auf 5.300 Starts pro Woche.
  • Besonders Easyjet, Wizz und Ryanair bauen ihr Streckennetz stark aus.
  • Trotz steigender Ölpreise und Personalkosten fallen die Flugpreise.
  • Schwerpunkte: Luftfahrt, Verkehr

Low Cost-Flugverbindungen ab Deutschland verzeichnen einen neuen Rekord im Winterhalbjahr 2018/2019. Erstmals gibt es 5325 Starts von Billigfliegern pro Woche womit ein Zuwachs von zehn Prozent zum Vorjahr verbunden ist. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin hat sich der Markt nahezu bereinigt. Eurowings und Norwegian setzen weiter verstärkt auf Low Cost-Ziele außerhalb Europas. Die Verbraucherpreise fallen nach moderatem Anstieg im Vorjahr nun wieder. Parallel verzeichnet der europaweite Markt mit günstigen Flugtickets erneut ein deutliches Plus von sieben Prozent. Diese Ergebnisse stehen im nun erschienenen "Low Cost Monitor 1/2019" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Bericht wird seit 2006 jeweils im Frühling und Herbst veröffentlicht.

"Wir haben im vergangenen Winterhalbjahr eine neue Rekordsaison der Low Cost Carrier ab Deutschland erlebt", sagt Studienleiter Dr. Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr in Köln. "699 Ziele sind nun ab Deutschland per Low Cost-Flieger erreichbar, gegenüber 642 Strecken im Vorjahr." Ryanair bietet mittlerweile fast 250 Ziele ab Deutschland an, gefolgt von Eurowings mit 235 Zielen. Es folgen Easyjet mit 107 Strecken und Wizz mit 83 Strecken. Ryanair, Easyjet und Wizz konnten im vergangenen Winter ihr Streckennetz deutlich ausbauen, wobei insbesondere Easyjet mit 21 neuen Strecken von der Übernahme weiterer ehemaliger Air Berlin-Verbindungen profitiert. "Mit dem Ausscheiden von Air Berlin aus dem Markt entstand zunächst eine Lücke, die nun fast vollständig wieder geschlossen werden konnte", so Berster weiter. Nach Marktanteil angebotener Flüge dominiert weiter Eurowings mit 51,5 Prozent der preisgünstigen Flugangebote. Eurowings hatte bereits im Winter 2017/2018 zahlreiche Air Berlin-Verbindungen neben Easyjet übernommen. Hinter Eurowings verbucht Ryanair 17,9 Prozent und Easyjet 16,5 Prozent der angebotenen Flüge im vergangenen Winter.

Bei den ausländischen Zielen ab Deutschland liegt Spanien knapp vor Großbritannien an der Spitze. Aufgrund der hohen Bedeutung Großbritanniens im Luftverkehr haben zahlreiche Airlines Tochtergesellschaften etabliert, um auf den Brexit vorbereitet zu sein. Dabei hat beispielsweise das britische Unternehmen Easyjet die Tochter Easyjet Europe in Österreich gegründet und nichtbritische Gesellschaften wie Ryanair oder Norwegian haben sich mit Ryanair UK und Norwegian UK in England in Position gebracht.

Preise fallen trotz steigenden Kostendrucks

Trotz eines steigenden Ölpreises und anziehender Personalkosten fallen die durchschnittlichen Bruttopreise der Low Cost Carrier für einen einfachen Flug zurück auf einen Bereich von 50 bis 106 Euro und sinken damit nach einer Preisspitze von 53 bis 117 Euro im vergangenen Jahr fast wieder auf das Niveau 44 bis 105 Euro von vor zwei Jahren. "Der preisdämpfende Effekt der Übernahme ehemaliger Air Berlin-Strecken durch Easyjet neben Eurowings hat sich verstärkt", erklärt Dr. Peter Berster. "Neben dem steigenden Wettbewerb greift speziell bei Ryanair der preismindernde Effekt der neuen Handgepäcksregelung, wonach der günstigste Flugpreis nur noch eine kleine Handtasche inkludiert und das große Handgepäckstück zusätzlich bezahlt werden muss." Die angegebene Preisspanne fasst die durchschnittlichen Brutto-Flugpreise für eine repräsentative Auswahl an Flugstrecken der in Deutschland bedeutendsten Low Cost-Airlines Eurowings, Ryanair, Easyjet und Wizz zusammen. Günstigster Anbieter im Frühjahr 2019 ist Wizz mit einem Durchschnittspreis von rund 50 Euro pro Ticket. Es folgen Easyjet mit 56 Euro, Ryanair mit 59 Euro sowie Eurowings mit 106 Euro. Die Durchschnittspreise werden im Low Cost Monitor auf Grundlage verschiedener Vorausbuchungszeiträume von einem Tag bis zu drei Monaten ermittelt.

Deutsche Großflughäfen gewinnen an Bedeutung

Während in vergangenen Zeiten besonders an kleineren Flughäfen wie Weeze und Hahn das Wachstum der Günstigflieger stattgefunden hat, ist in Deutschland mittlerweile ein Trend in Richtung Großflughäfen zu erkennen. Aktuell betrifft dies besonders die größeren Flughäfen Düsseldorf und Berlin-Tegel, die mittlerweile einen Low Cost-Anteil von 42 Prozent beziehungsweise 48 Prozent verzeichnen, wobei Düsseldorf mit rund 1000 Starts pro Woche das größte Low Cost-Angebot in Deutschland aufweist. Hier spielt besonders die Übernahme ehemaliger Air Berlin Strecken durch Easyjet eine große Rolle aber auch ein zusätzlicher Angebotsausbau von Eurowings. In Gesamteuropa haben die Flughäfen Barcelona, Dublin und London Gatwick das größte Angebot im Low Cost Verkehr.

Ryanair und Easyjet halten Spitzenposition in Europa

Auch europaweit setzen die Fluggesellschaften mit preiswerten Angeboten ihre Expansion weiter fort. "Das Angebot ist hier um rund sieben Prozent gegenüber dem Winterflugplan des Vorjahres gestiegen", sagt Dr. Peter Berster. "Dabei bleibt Großbritannien mit über 9000 Starts pro Woche mit Abstand das Land mit den meisten Flügen in diesem Sektor, gefolgt von Spanien und Deutschland." Europaweit ist Ryanair weiter der größte Low Cost Carrier. Mit 12.500 Starts bietet die irische Airline mehr als dreimal so viele Flüge an wie Eurowings. Zweitgrößte Fluggesellschaft ist Easyjet in Europa, die insgesamt zwar ein Drittel weniger Flüge anbietet als Ryanair aber immer noch doppelt so viele wie Eurowings. Ryanair und Easyjet bieten zusammen fast 50 Prozent aller Low Cost Flüge in Europa an, wobei aktuell 27 Prozent auf den Marktführer Ryanair entfallen.

Ausbau der Langstreckenangebote

Ein starkes Wachstum von über 37 Prozent gibt es auch auf der Langstrecke der Low Cost-Verbindungen. Hier sind besonders Norwegian und Eurowings zu nennen. Während Norwegian von zahlreichen großen Flughäfen in Europa aus operiert, konzentriert sich Eurowings auf die Abflughäfen Düsseldorf und München. Der Einsatz von modernem langstreckentauglichen Fluggerät, wie es Norwegian mit der Boeing 787 und 737 Max 8 unter anderem nach Nordamerika in der Flugplanung hat, führt derzeit zu Engpässen. Durch das andauernde Flugverbot für die Boeing 737 Max 8 fehlen Norwegian wichtige Flugzeuge in ihrer Flotte, wofür die Airline teuer Ersatzfluggerät anmieten muss. Durch den Einsatz von neuen Modellen des Typs Boeing 737 Max 8 können weniger aufkommensstarke interkontinentale Verbindungen von kleineren Flughäfen aus angeboten werden, beispielsweise von Edinburgh nach Newburgh in den USA. Erstmalig bietet die asiatische Airline Scoot in einem Winterflugplan Verbindungen von Europa nach Singapur an.

Low Cost und traditioneller Linienflugbetrieb

Die Fluggesellschaften gestalten ihr Low Cost Angebot oft sehr unterschiedlich. Dadurch lassen sich nur wenige eindeutige Abgrenzungskriterien für das Marktsegment Low Cost definieren: beispielsweise ein niedriger Preis und seine generelle Verfügbarkeit oder ein Direktvertrieb über das Internet. Zunehmend wird die Tendenz sich vermischender Geschäftsmodelle bei den Airlines sichtbar. Während Ryanair verstärkt auch an Großflughäfen tätig wird und durch Verkauf von Zusatzpaketen versucht, Premiumkunden anzusprechen, greifen Charter Carrier sowie etablierte Fluggesellschaften über Tochtergesellschaften oder eigene Angebote zunehmend in den Markt der preisgünstigen Flugangebote ein. In Deutschland hat Lufthansa ihre innerdeutschen und europäischen Flüge außer von und zu den Drehkreuzflughäfen Frankfurt und München an die Tochtergesellschaft Eurowings abgegeben. Die genannten Ergebnisse der Studie basieren auf Daten einer Referenzwoche im Januar 2019.

Zuletzt geändert am:
20.05.2019 09:37:22 Uhr

Kontakte

 

Falk Dambowsky
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Media Relations

Tel.: +49 2203 601-3959

Fax: +49 2203 601-3249
Dr. Peter Berster
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Flughafenwesen und Luftverkehr

Tel.: +49 2203 601-4554

Fax: +49 2203 601-2377