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16. Juli 1969: Start zum Jahrtausendprojekt Mondlandung

50 Jahre Apollo 11: "Wir kamen in Frieden für die ganze Menschheit"

Dienstag, 16. Juli 2019

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  • 21. Juli 1969 – Menschen auf dem Mond
    21. Juli 1969 – Menschen auf dem Mond

    In Europa war es mitten in der Nacht von Sonntag, dem 20. Juli 1969, auf Montag, dem 21. Juli, als um 3.56 Uhr und 20 Sekunden Neil Armstrong, der Kommandant der Mission Apollo 11, den Mond betrat. Bis zu einer Milliarde Menschen auf der ganzen Welt haben den Ausstieg aus der Mondfähre Eagle im Fernsehen verfolgt – in den USA zur besten Sendezeit am Sonntagabend des 20. Juli. Zwanzig Minuten später betrat auch der Astronaut Edwin „Buzz“ Aldrin den Mond. Das Bild zeigt die beiden ersten Menschen auf dem Mond: Aldrin, wie er vor Armstrong steht, und Armstrong, wie er sich im Moment der Aufnahme im Visier von Aldrin spiegelt.

  • 16. Juli 1969 – Start der Mission Apollo 11
    16. Juli 1969 – Start der Mission Apollo 11

    Am 16. Juli 1969 um 9.32 Uhr Ortszeit hob die Saturn-V-Rakete mit der Mission Apollo 11 vom Startkomplex 39-A im Kennedy-Weltraumzentrum an der Ostküste von Florida ab. Fünf Triebwerke (daher die Bezeichnung Saturn V) erzeugten durch das Verbrennen von 13 Tonnen Treibstoff pro Sekunde einen Schub von 7500 Kilonewton oder 160 Millionen PS. Erst nach zwölf Sekunden hatte sich die Rakete über die Startrampe erhoben. Die ersten beiden Stufen brachten die drei Mondastronauten von Apollo 11 in eine Erdumlaufbahn, die dritte Stufe beschleunigte die Mission auf eine Transferbahn zum Mond, den sie nach drei Tagen erreichte.

  • Drei Astronauten schreiben Geschichte
    Drei Astronauten schreiben Geschichte

    Als die drei – alle im Jahr 1930 geborenen – Astronauten Neil Armstrong (links), Michael Collins (Mitte) und Edwin „Buzz“ Aldrin im Januar 1969 für die Mission Apollo 11 ausgewählt wurden, war noch nicht klar, dass die für Juli des Jahres vorgesehene Mission auch schon auf dem Mond landen würde. In der ersten Jahreshälfte wurde mit Apollo 9 der Umgang mit der gerade erst fertiggestellt Mondfähre in der Erdumlaufbahn getestet, ehe Apollo 10 im Mai eine Generalprobe gelang – allerdings nicht ohne eine heikle Situation nach dem Abstieg der Mondfähre bis auf 15 Kilometer über der Mondoberfläche, als das Landemodul beim Wiederaufstieg heftig ins Trudeln geriet und sich mehrfach überschlug. Nach der sicheren Rückkehr von Apollo 10 war der Weg frei für die erste Mondlandung im Juli 1969. Neil Armstrong ist am 25. August 2012 gestorben.

  • Apollo%2d11%2dMissionsemblem: Adler als Friedenstaube
    Apollo-11-Missionsemblem: Adler als Friedenstaube

    Michael Collins, Pilot des Kommando- und Servicemoduls, entwarf das Missionsemblem für Apollo 11. Es ist das einzige Missionsemblem, auf dem nicht die Namen der Astronauten am Rand geschrieben stehen, wie es bei den Mercury- und Gemini-Flügen und den ersten drei Apollo-Flügen und auch wieder bei den nachfolgenden Missionen üblich war. Collins wollte zum Ausdruck bringen, dass die Crew stellvertretend für alle vierhunderttausend Menschen zum Mond fliegt, die beim Bau der Rakete, Kapsel und Mondfähre, den Vorbereitungen und Planungen beteiligt waren. Der Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA, hält einen Ölzweig in seinen Fängen, was den friedvollen Charakter der Mission zum Ausdruck bringen soll. Beobachter haben festgestellt, dass die Erde über dem Mondhorizont beim Flug von Apollo 11 entlang des Äquators von der Sonne von der falschen Seite angestrahlt wird: Die Hemisphäre im Schatten müsste unten und nicht links sein.

  • Erste Spuren von Menschen auf dem Mond
    Erste Spuren von Menschen auf dem Mond

    Buzz Aldrins Foto seines Fußabdrucks im Mondstaub ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts. Dabei entstand es nicht, um die ersten Abdrücke der „Moon Boots“ zu dokumentieren, sondern weil Aldrin beobachtete, dass die Fußabdrücke scharfe Kanten hatten und der Staub nicht nachrutschte. Mondstaub – Geologen sprechen von Regolith – besteht nicht aus gerundeten Körnchen, wie auf der Erde zumeist der Fall, sondern aus mikroskopisch kleinen, gezackten und sich leicht verzahnenden Partikeln, die einen großen Zusammenhalt haben. Die Struktur des Mondstaubs resultiert aus Mikrometeoriten, die den Regolith beim Einschlag anschmelzen und gleich wieder erstarren lassen.

  • "Wir kamen in Frieden für die gesamte Menschheit"
    "Wir kamen in Frieden für die gesamte Menschheit"

    Als Neil Armstrong die Leiter der Mondfähre Eagle hinabstieg, enthüllte er an dem Landebein, an dem die Leiter angebracht war, eine Plakette mit der Inschrift: "Hier betraten Menschen vom Planeten Erde zum ersten Mal den Mond – Juli 1969 im Jahre des Herrn. Wir kamen in Frieden für die gesamte Menschheit." Die eingravierten Unterschriften sind die der drei Astronauten von Apollo 11 (Neil A. Armstrong, Michael Collins, Edwin E.Aldrin,) sowie des 1969 Präsidenten der USA, Richard Nixon. Der Passus ‚in Frieden für die gesamte Menschheit‘ ist einer Erklärung des US-Kongresses zur Gründung der NASA im Jahre 1958 entlehnt: "Es ist die Politik der Vereinigten Staaten, dass alle Aktivitäten im Weltraum friedlichen Zwecken und dem Wohl der gesamten Menschheit dienen sollen."

  • "Go for landing!" – Hochspannung im Kontrollzentrum
    "Go for landing!" – Hochspannung im Kontrollzentrum

    20. Juli 1969: Charles Duke (l.) hat gerade den Befehl zu Landung, das ‚go for landing‘, gegeben. Elf Minuten später, um 14.17 Uhr (Ortszeit Houston) setzte die Landefähre ‚Eagle‘ mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond auf. "Die Anspannung im Kontrollraum war so unglaublich, dass bald das Dach weggeflogen wäre!", erzählte Duke. In Raumfahrtkreisen wird seine Reaktion auf die von Neil Armstrong vermeldete Landung von Apollo 11 ("The Eagle has landed") häufig erzählt: "Roger, Twank … Tranquility. We copy you on the ground. You got a bunch of guys about to turn blue. We're breathing again. Thanks a lot." ("Verstanden, Twank… Tranquility. Ist übertragen zur Bodenstation. Ihr habt hier einen Haufen Leute die schon drohten blau zu werden. Jetzt atmen wir wieder. Vielen Dank!"). Links von Duke sitzen die Astronauten Jim Lovell, im April 1970 Kommandant der beinahe gescheiterten Mission Apollo 13, und Fred Haise, Mondfährenpilot von Apollo 13.

  • Edwin ‚Buzz‘ Aldrin salutiert vor dem Sternenbanner
    Edwin ‚Buzz‘ Aldrin salutiert vor dem Sternenbanner

    Das Projekt Apollo mit dem Ziel einer Landung von Menschen auf dem Mond war stark politisch und gesellschaftlich motiviert. Nur acht Jahre vor der ersten Mondlandung waren die USA in der Raumfahrt gegenüber der Sowjetunion stark ins Hintertreffen geraten. Mit dem von Präsident John F. Kennedy 1961 formulierten Ziel "noch vor Ende des Jahrzehnts Menschen zum Mond und sicher wieder zurück zu Erde zu bringen" wollten sie die UdSSR nicht nur überholen, sondern auch die Überlegenheit der freiheitlichen, westlichen Welt gegenüber der verschlossenen, diktatorischen UdSSR demonstrieren. Dafür wurden enorme Mittel zur Verfügung gestellt und jede erdenkliche Anstrengung unternommen. Für die NASA und ihre Apollo-Astronauten, die sich bis auf eine Ausnahme aus Air-Force- oder Navy-Piloten rekrutierten, war das Aufstellen der amerikanischen Flagge neben der Mondfähre daher weit mehr als ein symbolischer Akt.

  • Panorama der Apollo%2d11%2dLandestelle vom Little West Crater
    Panorama der Apollo-11-Landestelle vom Little West Crater

    Etwa zwei Stunden dauerte am 21. Juli 1969 (MEZ) der Ausstieg der beiden ersten Menschen auf dem Mond. Die Landestelle im Westen des Mare Tranquillitatis, einer vulkanischen Ebene ohne viele Hindernisse, wurde aus Gründen der Sicherheit und der Beleuchtungsverhältnisse gewählt. Für die Wissenschaftler brachten die Apollo-11-Astronauten 22,5 Kilogramm Gesteinsproben und Mondstaub zur Erde zurück. Deren Untersuchung bildete den Auftakt zu umfangreichen, viele Jahre andauernden und von bedeutenden Ergebnissen gekrönten wissenschaftlichen Arbeiten, an deren Ende ein völlig neues Verständnis zu den Vorgängen im frühen Sonnensystem während und nach der Bildung der erdähnlichen Körper stand. Der Krater im Vordergrund ist der Little West Crater. Neil Armstrong machte hier, etwa 60 Meter von der Mondfähre entfernt, einige Aufnahmen, die zu einem Mosaik zusammengesetzt wurden. Der Krater ist nicht zu verwechseln mit dem West Crater (550 Meter weiter östlich gelegen), über dessen Rand Neil Armstrong mit Handsteuerung hinwegflog, um einer Landung in einem Feld aus den Krater umgebenden Felsblöcken zu vermeiden.

  • Die Apollo%2d11%2dLandestelle aus der Mondumlaufbahn
    Die Apollo-11-Landestelle aus der Mondumlaufbahn

    Während sich Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond befanden, umkreiste Michael Collins den Erdtrabanten 18 Mal in einer äquatorialen Umlaufbahn. Er musste nicht viele Aufgaben bewältigen und hatte auch nie ein persönliches Problem damit, als „dritter Mann“ nicht den Mond betreten zu haben („schreibt auf meinen Grabstein: glücklich!“). Bei jedem Überflug über das westliche Mare Tranquillitatis versuchte er, die Eagle auf der Mondoberfläche aus seinem etwa 100 Kilometer hohen Orbit zu erspähen, aber er sah sie nicht. Viel später gelang es der extrem hochauflösenden Kamera des seit 2009 in einer Mondumlaufbahn befindlichen Lunar Reconnaissance Orbiter alle sechs Apollo-Landestellen und auch die Landestellen der robotischen sowjetischen Mondmissionen zu erfassen. Rechts der Bildmitte befindet sich die Landestufe der Mondfähre, Neil Armstrongs Fußspuren zum markanten Little West Crater und südlich der Mondfähre sogar das zurückgelassene Seismometerexperiment.

  • Die ersten wissenschaftlichen Experimente
    Die ersten wissenschaftlichen Experimente

    Für die Planetenforschung war das Apollo-Programm ein enorm ergiebiges Projekt. Schon zur Vorbereitung von sicheren Landungen wurden robotische Sonden der Serien Ranger, Lunar Orbiter und Surveyor zum Mond geschickt, die Tausende von Aufnahmen zur Erde übertrugen. Was bisher nur mit Teleskopen in maximal ein bis zwei Kilometer großen Details beobachtet werden konnte, war nun auf Fotos mit einer zum Teil mehr als zehnfach höheren Auflösung zu erkennen. Auf dem Mond hatten alle sechs Apollo-Missionen umfangreiche Experimentpakete dabei, die kaum Wünsche der beteiligten Geowissenschaftler, Astronomen und Physiker offenließen. Bei der ersten Mondlandung wurde unter anderem ein Seismometer installiert, das auch nach der Mission passiv Erschütterungen der Mondoberfläche aufzeichnete – so auch den Einschlag der im Mondorbit abgetrennten Mondfähre.

  • Die Mondfähre Eagle kehrt zur Columbia zurück
    Die Mondfähre Eagle kehrt zur Columbia zurück

    Die Rückkehr der Eagle zur Columbia bedeutete noch nicht das Ende der Mission. Noch standen weitere missionskritische Wegmarken bevor: das Andocken an das Kommando- und Servicemodul, das Zünden des Triebwerks, um aus dem Mondorbit auf eine Bahn zurück zur Erde zu kommen und nach weiteren drei Tagen das Eindringen in die Erdatmosphäre im richtigen Winkel, um die ganze durch die Raketen dem System übertragene Bewegungsenergie bei einem feurigen Ritt durch die Lufthülle der Erde abzubauen und am Ende sicher an Fallschirmen im Meer zu landen. Keine der Apollo-Missionen, die mit einer Saturn-V-Rakete ins All gestartet waren, führte zu einem Unfall mit Schaden für die beteiligten Astronauten. Das Bild zeigt die Eagle vor dem Mondhorizont mit dem dunklen Umriss des Mare Smythii und der "Halberde" im Hintergrund.

  • Das Ende einer epochalen Expedition
    Das Ende einer epochalen Expedition

    Am 24. Juli 1969 um 16.50 Weltzeit – in den frühen Morgenstunden Ortszeit – wasserte die Kommandokapsel von Apollo 11 mit den drei Astronauten an Bord im Westen des Pazifischen Ozeans. Vom US-Flugzeugträger USS Hornet waren mehrere Helikopter gestartet, die schon vor der Wasserung die Kommandokapsel an den drei großen Fallschirmen entdeckten und die letzten Meter ihres Flugs verfolgten. Marinetaucher sprangen sofort von den Helikoptern in den Ozean und "enterten" die im Wasser treibende Kapsel, öffneten die Luke und bargen die drei etwas erschöpften, aber glücklichen Astronauten in Schlauchboten, von denen sie in die Helikopter gehievt und zur 24 Kilometer entfernten Hornet gebracht wurden. Das Abenteuer Mondlandung und Rückkehr zur Erde dauerte acht Tage.

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    Plausch mit dem US-Präsidenten – hinter Glas

    Präsident Richard Nixon ließ sich vor der zeitlich ziemlich exakt anberaumten Rückkehr der drei Mondastronauten auf den Flugzeugträger USS Hornet bringen, um die frischgebackenen Helden der Nation willkommen zu heißen. Allerdings musste der Gedankenaustausch über eine Sprechanlage geschehen, denn Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin (v.l.) wurden für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. Es war vor der Apollo-11-Mission nicht klar, ob der Mond, auf dessen Oberfläche sich die Wissenschaftler beim besten Willen kein Leben vorstellen konnten, vielleicht nicht doch Mikroorganismen oder Viren beherbergt, die auf der Erde fortbestehen oder sich gar ausbreiten und großen Schaden anrichten könnten. Für die Astronauten noch schmerzhafter als der nur mittelbare Kontakt zu ihrem Präsidenten: Auch ihre Angehörigen durften sie nur aus dem Quarantänecontainer sehen und erst im August 1969 in die Arme nehmen.

  • Ein historischer Rückblick auf den Start der Mondlandungs-Mission Apollo 11 am 16. Juli 1969.
  • Mit der Mission gelang den USA das scheinbar Unmögliche: Nur acht Jahre nach John F. Kennedys Ankündigung landen Menschen auf dem Mond und kehren sicher zur Erde zurück.
  • Die drei Astronauten Neil Armstrong, Edwin "Buzz" Aldrin und Michael Collins brachten die Mission in größtmöglicher Professionalität ans Ziel und schrieben Geschichte.
  • Schwerpunkte: astronautische Raumfahrt, Planetenforschung

Die Saturn-V-Rakete hob in fast beängstigender Langsamkeit um 9.32 Uhr Ortszeit von der Startrampe 39-A im Kennedy Weltraumzentrum an der Ostküste Floridas ab. In jeder Sekunde wurden 13 Tonnen Treibstoff in die fünf Triebwerke gepumpt und gezündet. Jedes von ihnen erzeugte 7.500 Kilonewton Schub - das entspricht 160 Millionen PS. Erst nach zwölf Sekunden hatte sich die 111 Meter hohe und beim Start fast 3.000 Tonnen schwere Saturn V, die stärkste Rakete, die je gebaut wurde, über den Startkomplex erhoben. Sie wurde begleitet von einem gewaltigen Donnern, wie es bis dahin noch keine menschengemachte Maschine erzeugt hatte. Etwa eine Million Menschen verfolgten den Start vor Ort. An der Spitze der dreistufigen Rakete befand sich die Apollo-11-Kommandokapsel Columbia mit den drei Astronauten Neil Alden Armstrong, Edwin Eugene Aldrin und Michael Collins. Drei Tage später sollten sie den Mond erreichen und in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen die Mondoberfläche. Ein tausende Jahre alter Traum wurde wahr!

Tausende Tonnen Treibstoff

Zweieinhalb Minuten brannte die erste Stufe und beförderte die Rakete auf eine Höhe von 61 Kilometer. Von dort aus strebte sie mit einer Geschwindigkeit von 8.000 Kilometern pro Stunde dem Weltall entgegen. 2.000 Tonnen Treibstoff waren nun verbrannt, die Stufe wurde abgetrennt und fiel mit den fünf gewaltigen F1-Triebwerken, die der Saturn-V-Rakete ihren Namenszusatz gaben, 560 Kilometer östlich vom Startplatz in den Atlantischen Ozean. Die zweite Stufe brannte weitere sechs Minuten, ehe sie abgetrennt wurde und, nun schon 4.000 Kilometer von Florida entfernt, in den Ozean fiel. Zuvor hatte sie die dritte Stufe mit Kommandokapsel, Servicemodul und Mondfähre in eine Erdumlaufbahn in etwa 185 Kilometer Höhe gehievt. Dort umrundete diese den Planeten für drei Stunden mit einer Geschwindigkeit von 7 Kilometer pro Sekunde (25.000 Kilometern pro Stunde). Die Kontrolle über das Raumschiff für den weiteren Verlauf der Mission war inzwischen vom Kennedy Space Center an die Bodenkontrolle in Houston im US-Bundesstaat Texas übergeben worden.

In drei Tagen von der Erde zum Mond

Um 16.22 Uhr Weltzeit (17.22 Uhr mitteleuropäischer Zeit, MEZ) erfolgte nach anderthalb Erdumrundungen von dort die Freigabe für die Reise zum Mond. Die Oberstufe mit dem Saturn-IVB-Triebwerk beschleunigte das Gespann in sechs Minuten auf die nötige Fluchtgeschwindigkeit von 11,2 Kilometern pro Sekunde. Eine halbe Stunde nach dem Einschuss in die Transferbahn zum Mond erfolgte das schwierigste Manöver auf dem Weg zum Erdtrabanten: das Abkoppeln von Kommando- und Servicemodul (CSM) von der dritten Stufe, gefolgt von einer Drehung um 180 Grad und mit der Spitze der Kommandokapsel das anschließende Andocken an die Mondfähre, um sie dort herauszuziehen. Danach wurden die nun miteinander verbundenen Komponenten wieder um 180 Grad in Flugrichtung gedreht. Dem Verantwortlichen Michael Collins gelang das Manöver reibungslos und vor den drei Astronauten lagen nun knapp 400.000 Kilometer Wegstrecke.

Die ausgebrannte Oberstufe flog auf einer eigenen - für die Apollo-11-Mission ungefährlichen - Trajektorie um den Mond. Sie befindet sich infolge eines "lunaren Schwerkraft-Schleudereffekts" noch heute in einer Sonnenumlaufbahn; Teleskope auf der Erde hatten anhand der Reflexionskurven das Titandioxid der weißen Lackierung identifizieren können und sie dadurch bereits mehrfach wieder aufgespürt.

Die Zeit drängte und die NASA erhöhte Tempo und Risiko

Wie wurde die Crew von Apollo 11 ausgewählt? Wer legte fest, welche Astronauten als erstes zum Mond fliegen würden? Und wer bestimmte, wer der erste Mensch sein sollte, der den Erdtrabanten betreten würde? Es war ein glücklicher Zufall, der dafür sorgte, dass Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins die Mission Apollo 11 bestreiten sollten. Denn Armstrong und Aldrin waren die Reservecrew der Mission Apollo 8, die an Weihnachten 1968 die allererste Reise mit menschlicher Besatzung zum Mond absolvierte und das berühmte Bild der Erde über dem Mondhorizont fotografierte.

Dritter Ersatzastronaut war damals Fred Haise, doch Armstrong warb bei Deke Slayton, dem Direktor des NASA-Astronautenbüros, erfolgreich darum, dass Michael Collins den Platz von Fred Haise einnehmen sollte. Collins hatte sich bereits bei Gemini 10 bewährt. Am 10. Januar 1969 wurden Armstrong, Aldrin und Collins der Öffentlichkeit als Crew von Apollo 11 vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war die Mondfähre allerdings noch nicht einmal getestet worden, es war also keineswegs gewiss, dass schon mit Apollo 11 Menschen auf dem Mond landen würden.

Doch die Zeit drängte. Zum einen hatte die NASA die Befürchtung, dass die Sowjetunion bald einen ersten Kosmonauten zum Mond schicken könnte. Die "Nachrichtenlage" war nach dem überraschenden Tod des russischen Raketeningenieurs Sergei Koroljow am 14. Januar 1966 nicht klar. Zum anderen lautete die Vorgabe von Präsident John F. Kennedy vom 25. Mai 1961: "Noch vor dem Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und ihn auch sicher wieder zurück zur Erde zu bringen!" Dementsprechend drängte die NASA zur Eile – und ging dabei hohe Risiken ein. Apollo 6 und 7 waren 1968 noch unbemannte Testflüge in der Erdumlaufbahn, bei Apollo 8 wurde im Dezember 1968 zum ersten Mal die Saturn-V-Rakete mit Astronauten an Bord eingesetzt und flog direkt mit Menschen zum Mond. Anfang 1969 testete die NASA bei Apollo 9 die nun fertiggestellte Mondfähre im Erdorbit und im Mai 1969 erfolgte mit Apollo 10 die Generalprobe am Mond mit einem Abstieg der Mondfähre bis auf 15 Kilometer Oberflächendistanz. Nachdem bis dahin alles erfolgreich verlief, wollte es die NASA nun mit Apollo 11 wagen, auf dem Mond zu landen.

Armstrong, Aldrin, Collins – drei außergewöhnliche Charaktere

Neil Armstrong wurde als Kommandant bestimmt. Schon bei Gemini 8 im März 1966 hatte er diese Position inne. Dabei wurden zum ersten Mal zwei Raumschiffe im All aneinandergekoppelt, was beinahe in einer Katastrophe endete, da die Gemini-Kapsel ins Taumeln geriet. Armstrong brachte die Situation unter Kontrolle. Er galt als bescheiden, fast etwas introvertiert, allerdings auch als extrem professionell, außerordentlich kompetent, entscheidungsschnell und kollegial. Eigenschaften, die ihn aus der Sicht der NASA zum Kommandanten von Apollo 11 prädestinierten. Dadurch war auch klar, dass er, der Kommandant und zugleich Zivilist, als erstes den Mond betreten sollte. Edwin "Buzz" Aldrin, der Pilot der Mondfähre, war eher als Heißsporn bekannt: ehrgeizig, ein begeisterter Astronaut und nicht minder fähig als Armstrong. Im Kreise der Astronauten trug er den Spitznamen "Dr. Rendezvous". Er verfasste am Massachusetts Institute of Technology in Boston eine Doktorarbeit für die dann Mitte der 1960er-Jahre erstmals durchgeführten Ankoppelmanöver zweier Raumschiffe im All. Michael Collins schließlich, in Rom geboren, hatte bei Gemini 10 einen Weltraumausstieg absolviert, war als sehr ausgeglichene Persönlichkeit bekannt und besaß eine künstlerische Ader: Es war Collins, der das Missionsabzeichen von Apollo 11 entwarf, mit einem Adler, der zur Landung auf dem Mond ansetzt und einen Olivenzweig als Zeichen der friedlichen Absichten in seinen Krallen hält. Alle drei waren gleich alt - 1930 geboren - und erfahrene Piloten im Kriegseinsatz sowie ehemalige Testpiloten von Kampfjets in der US-Luftwaffe oder US-Navy.

Die Mission Apollo flog drei Tage lang ohne außergewöhnliche Ereignisse in Richtung Mond, dessen Schwerefeld die Kapsel wie berechnet einfing. Sie befand sich auf einer "freien Rückkehrbahn". Auf dieser konnten das Kommando- und Servicemodul beim Erreichen des Mondes auch ohne Zünden eines möglicherweise defekten Triebwerks von der Schwerkraft des Trabanten umgelenkt zur Erde zurückkehren. Doch alles klappte wie geplant: Am 19. Juli (17.21 Uhr Weltzeit) befand sich die Mission in einer Mondumlaufbahn. Knapp 20 Stunden später, es war nun der 20. Juli, krochen Armstrong und Aldrin aus der "Columbia" in die Mondfähre "Eagle" und dockten um 17.44 Uhr von der Kommandokapsel ab. Nach weiteren Systemtests und der visuellen Kontrolle durch Michael Collins, der die vor den Fenstern der "Columbia" rotierenden "Eagle" beobachtete, leitete Neil Armstrong den Landevorgang mit den Worten "Der Adler hat Flügel!" ein.

Computerfehler, Felsbrocken und Handsteuerung

Die folgende Viertelstunde ist Raumfahrtgeschichte: Armstrong und Aldrin, beide stehend und den Blick aus kleinen dreieckigen Fenstern auf den Mond gerichtet, merkten schnell, dass sie bei ihrem Anflug auf die Oberfläche von Ost nach West in Richtung der Vulkanebene Mare Tranquillitatis die von Apollo 10 ausgekundschafteten Landmarken um einige Sekunden zu früh passierten. Sie würden etliche Kilometer zu weit westlich aufkommen. Fünf Minuten nach dem Zünden der Triebwerke und noch 1.800 Meter über dem Mond meldete der wenig leistungsstarke, aber robuste Bordcomputer die berühmten "Fehler 1201" und "1202", die Armstrong nicht sonderlich beeindruckten. Schnell kam auch von der Missionskontrolle die Empfehlung, diese zu ignorieren, denn der Computer konnte die zahlreichen Informationen nicht mehr schnell genug abarbeiten.

Neil Armstrong übernahm die Kontrolle über die Mondfähre und wechselte auf Handsteuerung. Er sah an der vermeintlichen Landestelle einen trichterförmigen Krater mit steilen Innenwänden und metergroßen Blöcken um den Rand. Sofort erkannte er, dass diese Stelle viel zu gefährlich für eine Landung sein würde und steuerte die Mondfähre darüber hinweg. Gleichzeitig erhielt er von dem "Capsule Communicator" (CapCom) und Astronauten Charles Duke aus Houston die Ansage: "60 Sekunden!" Es befand sich nur noch Treibstoff für eine Minute im Tank der Mondfähren-Landestufe. Eine halbe Minute später: "30 Sekunden!" Die Mission stand kurz vor dem Abbruch. Die Mondfähre befand sich nur drei Meter über der Oberfläche, und es war nicht sicher, ob ein Abbruch ohne Sturz auf die Mondoberfläche überhaupt möglich gewesen wäre. Neil Armstrong ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und landete mit Treibstoff für nur noch etwa 20 Sekunden. Buzz Aldrin meldete "Kontaktlicht!" nach Houston, drei Sekunden später schalteten die beiden Astronauten das Triebwerk ab, das lauter Staub aufgewirbelt hatte.

Der Adler ist gelandet und Houston holt tief Luft

Zwanzig endlose Sekunden später traf im Kontrollzentrum die befreiende Nachricht von Neil Armstrong ein: "Houston, Tranquility Base here – the Eagle has landed". CapCom Duke kommentierte: "Roger, Twank … Tranquility. We copy you on the ground. You got a bunch of guys about to turn blue. We're breathing again. Thanks a lot." ("Verstanden, Twank … Tranquility. Ist übertragen zur Bodenstation. Ihr habt hier einen Haufen Leute, die schon blau zu werden drohten. Jetzt atmen wir wieder. Vielen Dank!"). Es war Sonntag, der 20. Juli 1969 um 20.17 Uhr Weltzeit (21.17 Uhr MEZ und Nachmittag in den USA). Der Mensch war auf dem Mond gelandet.

Kurz nach Mitternacht deutscher Zeit – dort war bereits der 21. Juli angebrochen, während sich die Mondlandung in den USA am Abend des 20. Juli, zur besten Sendezeit, ereignete – begannen in der Eagle die Vorbereitungen für den Ausstieg auf den Mond. Um 3.39 Uhr MEZ wurde die Luke geöffnet, Neil Armstrong bestieg um 3.51 Uhr die Leiter, kletterte sie hinab und betrat am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr und 20 Sekunden MEZ den Mond mit den berühmten Worten: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit." Zwanzig Minuten später folgte ihm Buzz Aldrin. Für etwas mehr als zwei Stunden erkundeten die beiden ersten Menschen auf dem Mond die "großartige Einöde" (Aldrin), sammelten 21,5 Kilogramm Mondsteine und Mondstaubproben ein, führten die mitgebrachten Experimente aus, stellten ein Sternenbanner, die amerikanische Flagge auf. US-Präsident Richard Nixon gratulierte per Schaltung aus dem Weißen Haus in Washington via Houston zum Mond.

Währenddessen umrundete Michael Collins 18 Mal den Mond und wartete auf die Rückkehr seiner Kameraden. Am 21. Juli um 18.54 Uhr MEZ startete der obere Teil der Mondfähre zurück zur Kommandokapsel in der Mondumlaufbahn, wurde angedockt und dann nach dem Umstieg von Armstrong und Aldrin wieder abgestoßen, um auf dem Mond zu zerschellen. Drei Tage später wasserten die drei Astronauten wohlbehalten im Pazifischen Ozean und wurden vom US-Flugzeugträger USS Hornet mit Helikoptern geborgen. Da man sicher gehen wollte, dass die Astronauten keine lunaren Mikroben mit auf die Erde brächten, mussten sie zunächst in eine zweiwöchige Quarantäne.
Auf dem Mond blieben die Experimente sowie die Unterstufe der Mondfähre zurück. An deren Landebein war unter der Ausstiegsleiter von den beiden Astronauten eine Plakette enthüllt worden, auf der steht: "Hier betraten Menschen vom Planet Erde zum ersten Mal den Mond, Juli 1969 im Jahre des Herrn. Wir kamen in Frieden für die ganze Menschheit."

Weitere Informationen zum Jubiläum der Mondlandung finden Sie auf der DLR-Sonderseite.

 

 

Zuletzt geändert am:
16.07.2019 15:02:55 Uhr

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