3. September 2026 | Erfolgreiche Flugerprobung

DLR-Höhenplattform HAP-alpha hebt erstmals ab

  • Am 2. September 2026 absolvierte die unbemannte, hochfliegende Plattform HAP-alpha die erste Flugerprobung.
  • Der Erstflug fand am Nationalen Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme des DLR in Cochstedt in niedriger Höhe statt.
  • HAP-alpha soll zukünftig in der unteren Stratosphäre als fliegender Erprobungsträger Systemtechnologien im Rahmen von Erdbeobachtung und Kommunikation unter echten Einsatzbedingungen testen.
  • Schwerpunkte: Luftfahrt, Flugsystemtechnik

Am 2. September 2026 ist die hochfliegende Plattform HAP (High AltitudePlatform)-alpha des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum ersten Mal abgehoben. Der Erstflug erfolgte am Nationalen Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme des DLR in Cochstedt. Während des Testfluges erprobte das Team die Flugtauglichkeit in niedriger Höhe. Das unbemannte Fluggerät absolvierte einen sicheren etwa 70-minütigen Flug über dem Flughafen und erreichte dabei Höhen von bis zu 180 Metern über Grund.

Die Crew überwachte den Flug und stellte sicher, dass alle vorgesehenen Prozesse und Verfahren eingehalten werden. Dabei konnte sie sich auf die im Vorfeld trainierten Abläufe und die intensive Kommunikation zwischen den Teammitgliedern verlassen, um alle auftretenden Situationen zu meistern. Zusätzlich bewerteten sie verschiedene Flugmanöver, um das Verhalten dieses neu entwickelten Luftfahrzeugs zu erproben.

Wir sind stolz darauf, am DLR eine fliegende Plattform von Grund auf zu entwickeln und zum Fliegen zu bringen. Das ist eine beeindruckende Leistung unserer Mitarbeitenden und demonstriert die Expertise und das Zusammenspiel in allen notwendigen Disziplinen sowie die außerordentlichen Fähigkeiten und das Engagement aller Beteiligten.

Dr.-Ing. Markus Fischer, DLR-Bereichsvorstand Luftfahrt

Die Erprobungen verfolgten zusätzlich das Ziel, erste Validierungsdaten für flugdynamische Modelle zu erhalten. Auf Basis dieser Daten können die Forschenden die zugrundeliegenden Modelle verbessern und die Theorie der Praxis weiter annähern. Die Ergebnisse werden nun ausgewertet, um das Flugtestprogramm vor dem zweiten Testflug in niedriger Höhe zu optimieren und Abläufe weiter zu verfeinern. Um die erforderlichen Daten zu sammeln, wurden über dem Testgelände vordefinierte Manöver mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Höhen geflogen.

Vorbereitung auf die Herausforderung Erstflug

Seit Wochen beobachtete das Flugversuchsteam die Wetterprognosen, um das optimale Zeitfenster für den Erstflug zu identifizieren. Für den ersten Erprobungsflug von HAP-alpha galten strenge Grenzwerte insbesondere für die Windgeschwindigkeit, die einen Meter pro Sekunde nicht überschreiten durfte. „Die größte Herausforderung beim Erstflug eines solchen Höhenflugzeugs liegt in dessen Anfälligkeit schon für geringe Turbulenzen aufgrund der extremen Leichtbauweise bei einer gleichzeitig enormen Flügelspannweite und hoher aeroelastischer Verformung in der Luft“, erklärt Dr. Andreas Bierig, kommissarischer Leiter des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik. Bei einer Flügelspannweite von 27 Metern wiegt die Plattform nur 138 Kilogramm.

Insgesamt 25 Personen gehörten dem Flugversuchsteam an, das HAP-alpha zum ersten Mal in die Luft gebracht hat. Koordiniert wurde das interdisziplinäre Team vom Flight Test Director. Die Flugphysikerinnen, Flugphysiker, Strukturdynamikerinnen und Strukturdynamiker kontrollierten das Verhalten des Flugzeugs in der Luft. Insbesondere bei Start und Landung dürfen sich die Flügel nicht aufschaukeln (sogenanntes Flattern) oder gar strukturell versagen. Um später in großen Höhen mit der verfügbaren Solarleistung fliegen zu können, muss das Flugzeug extrem langsam fliegen. Die Fluggeschwindigkeit liegt dabei zwischen 30 Kilometern pro Stunde in Bodennähe und etwa 50 Kilometern pro Stunde in großen Höhen. Der gesamte Flug wurde von einem Remote-Piloten begleitet, der mehrere hundert Meter vom Rollfeld entfernt im Missionskontrollzentrum saß und die unbemannte Höhenplattform mittels der UAV (Unmanned Aerial Vehicle)-Pilotenstation steuerte. Direkt auf dem Rollfeld stand ein Sicherheitspilot bereit, der bei unerwarteten Ereignissen jederzeit die Flugsteuerung hätte übernehmen können.

Ziel: Erprobung in größeren Höhen

Entwickelt für Flughöhen von bis zu 20 Kilometern, soll HAP-alpha zukünftig als fliegender Erprobungsträger in der unteren Stratosphäre Plattformtechnologien sowie Nutzlastsysteme zur Erdbeobachtung testen. Dazu gehören sowohl ein hochauflösendes Kamerasystem (MACS-HAP), als auch ein Radar mit synthetischer Apertur (HAPSAR), die im Projekt bereits mitentwickelt werden. Das DLR verfolgt mit der hochfliegenden Plattform darüber hinaus das Ziel umfassendes Know-how für die Entwicklung leistungsfähiger, hochfliegender, rein solarbetriebener Höhenplattformen zu gewinnen.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Testkampagne sind erste Flüge in größeren Höhen über nicht- oder extrem gering besiedelten Regionen, wie zum Beispiel über dem Meer, geplant. Insgesamt 16 DLR-Institute und -Einrichtungen haben die hochfliegende Plattform und die zugehörigen Bodensysteme entwickelt, koordiniert wurde das gesamte Team vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik. Das DLR ist die einzige Großforschungseinrichtung in Europa, die an einer solchen Plattform forscht und diese betreiben möchte.

Weiterführende Links

Überblick: An HAP-alpha beteiligte DLR-Institute und Einrichtungen

Das Projekt HAP-alpha wird unter Leitung des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik in enger Zusammenarbeit mit insgesamt 16 Instituten und Einrichtungen des DLR durchgeführt:

Kontakt

Falk Dambowsky

Leitung Media Relations, Presseredaktion
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
Linder Höhe, 51147 Köln
Tel: +49 2203 601-3959