Mission Artemis II

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Mit dieser Sammlung möchten wir Euch Antworten auf mögliche Fragen rund um die Mission Artemis II geben.

Was ist das Ziel der Artemis-II-Mission?

Mit Artemis II werden alle technischen Systeme und Flugmanöver des Raumschiffs Orion und des Europäischen Servicemoduls ESM erstmals mit Menschen an Bord getestet. Beispiele hierfür sind etwa das Lebenserhaltungssystem, die Steuerung und die Flugregelung. Dieser erste reale astronautische Einsatz ist auch ein Test für mögliche Verbesserungen und Anpassungen zukünftiger Artemis-Missionen.

Im November 2022 flog Artemis I ohne Menschen zum Mond, um während der 25,5-tägigen Reise alle Elemente einer solchen Mission zu testen. Das gilt vor allem auch für das ESM, das zu über 50 Prozent in Deutschland von der Firma Airbus in Bremen gebaut wird. An Bord waren dabei auch zwei Strahlungsmesspuppen des DLR.

Wie lange wird die Mission dauern, und wie viele Astronauteninnen und Astronauten sind an Bord des Raumschiffs?

Die Missionsdauer beträgt etwa zehn Tage. Dabei sind vier Personen mit an Bord: Reid Wiseman (NASA, Commander, er flog mit Alexander Gerst und Maxim Surajev 2014 zur Internationalen Raumstation ISS), Victor Glover (NASA, Pilot), Christina Koch (NASA, Mission Specialist) und Jeremy Hansen (CSA, Mission Specialist).

Was sind die Besonderheiten von Artemis II?

Mit Artemis II werden zum ersten Mal seit über 50 Jahren Menschen zum Mond zurückkehren und ihn umrunden. Bei der Mission kommen außerdem ein neues Raumschiff und eine neue Trägerrakete zum Einsatz. Zudem ist dies nicht mehr eine rein US-amerikanische Mission. So kommt mit dem ESM bei Artemis II erstmals eine kritische Komponente bei einer astronautischen Mission zum Einsatz, die nicht vollständig aus den USA stammt.

Weitere Besonderheiten:

  • Bei diesem Flug wird eine Vier-Personen-Crew mit an Bord sein.
  • Es ist die erste Umkreisung des Mondes, bei dem eine Frau Teil des Teams sein wird. Das Gleiche gilt für einen Kanadier, der an der Mission teilnimmt.
  • Bei Artemis II wird das zweite Europäische Servicemodul (ESM) bei einer Mission im All eingesetzt.
  • Die Umkreisung des Mondes erfolgt mit einer modifizierten Orion-Kapsel.
  • An Bord des Orion-Raumschiffs werden sich auch Strahlungssensoren vom DLR befinden.
  • Der Kleinsatellit eines deutschen Start-ups soll bei der Mission im Mondorbit ausgesetzt werden. Damit sollen Elektronikkomponenten für einen zukünftigen robotischen Mond-Rover getestet werden.

Warum ist die Weltraumstrahlung ein Thema bei solchen Missionen?

Außerhalb des schützenden Erdmagnetfelds ist der Mensch einer sehr hohen Strahlung ausgesetzt. Die Strahlenbelastung auf dem Mond ist zum Beispiel rund 800 Mal höher als auf der Erde. Die kosmische Strahlung kann das Krebsrisiko erhöhen oder das Sehvermögen schädigen. Hinzu kommt die Gefahr durch solare Teilchenereignisse. Diese werden durch Explosionen auf der Sonne hervorgerufen und setzen den Menschen in sehr kurzer Zeit einer extrem hohen Dosis Strahlung aus, was zur Strahlenkrankheit führen kann. Deshalb ist es für zukünftige Missionen entscheidend, das Strahlenrisiko zu kennen und Schutzmaßnahmen für die Astronautinnen und Astronauten zu entwickeln.

Wie versuchen wir, die Auswirkungen der Strahlung in den Griff zu bekommen?

Bei Artemis I wurde eine Strahlenschutzweste getestet (Link zu MARE). Mit dem MARE-Experiment (Matroshka AstroRad Radiation Experiment) des DLR wurde untersucht, wie gut dieses Material zukünftige Astronautinnen und Astronauten schützt. Auch auf der Internationalen Raumstation ISS wurden zahlreiche Experimente zur Strahlungsmessung durchgeführt sowie zur Reduktion der Auswirkungen auf den Menschen – etwa mit Materialien zur Abschirmung von Strahlung.

Welchen Anteil steuert Deutschland zu den Artemis-Missionen bei?

Bei Artemis I war das MARE-Experiment des DLR mit an Bord und hat erstmalig die komplette Strahlungsdosis einer solchen Mission auf den menschlichen Körper gemessen. Bei allen Artemis-Missionen liefert das Europäische Servicemodul ESM Antrieb und Energie für die Orion-Kapsel der NASA, um diese zum Mond und zurück zu bringen. Das ESM hat auch eine externe Nutzlastbucht für rund 100 Kilogramm Material. Deutschland ist über die Europäische Weltraumorganisation ESA am ESM beteiligt, und über 50 Prozent des Moduls werden von der Firma Airbus in Bremen gebaut. Bei Artemis II ist außerdem ein CubeSat, also ein Kleinsatellit, des deutschen Start-ups neurospace dabei. (Link zu neurospace) Dieser Satellit testet die Elektronik eines zukünftigen Mondrovers der Firma hinsichtlich dessen Belastbarkeit beim Start sowie der Widerstandsfähigkeit in der in der harschen Umgebung des Weltraums und seiner Strahlung.

Deutschland ist auch am europäischen Beitrag zu Gateway, einer geplanten kleinen Station nahe des Mondes, mit den Modulen I-HB und ESPRIT beteiligt. Die Station soll mit den Missionen Artemis IV und V aufgebaut werden. Zusammen mit der Beistellung der ESM ermöglicht dieses Engagement drei Mitflüge europäischer Astronauten beim Aufbau des Gateway, darunter auch den Flug eines deutschen Astronauten.

Im Rahmen der ESA soll der robotische Mondlander ARGONAUT entwickelt und gebaut werden und voraussichtlich im Jahr 2030 zum Einsatz kommen. Damit wäre eine Logistikfunktion für Artemis möglich, jedoch auch reine wissenschaftliche Missionen für Europa.

Weshalb soll der Mond weiter erforscht werden?

Der Mond bietet der Planetologie und Geologie einen Einblick in die Erdgeschichte und die Entstehung des Sonnensystems. Hier können Erkenntnisse der Entstehung des Erde-Mond-Systems gewonnen werden. Erforscht werden auch Lavaröhren (Lava Tubes) – zum Beispiel bezüglich deren zukünftiger Nutzung als Habitatumgebung.

Ein großes Forschungsfeld ist auch die Nutzung von Mondressourcen vor Ort für den Bau von Strukturen und Habitaten. Hierzu gehört auch die Gewinnung von Wasser, das in den stets dunklen Bereichen, den sogenannten Kältefallen der Mondkrater, vermutet wird. Der Mond ist zudem eine gute Testumgebung für die Exploration. Hier kann neue Technologie für diese Erkundung getestet und robust gemacht werden.

Die Rückseite des Mondes bietet eine Möglichkeit zur Erforschung der Langwellen-Astronomie, da diese Region hervorragend gegen Signalstörungen der Erde und der Sonne abschirmt ist. Langfristig ist geplant, vom Mond aus mit Explorationsmissionen weiter ins Sonnensystem vorzudringen, etwa zum Mars oder zu den Eismonden des Jupiters. Eine wichtige Voraussetzung dabei ist die Nutzung von Mondressourcen zur Erzeugung von Wasser, damit durch Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff hergestellt werden können. Diese Stoffe können unter anderem als Treibstoff für Raketen verwendet werden. Damit wären Missionen mit kleineren Trägerraketen vom Mond aus ins Sonnensystem möglich, da die Schwerkraft des Mondes nur ein Sechstel der Erdschwerkraft beträgt.

Was hat Artemis I an Erkenntnissen gebracht?

Artemis I hat sehr gut funktioniert. Das gesamte System des Orion-Raumschiffs und des Europäischen Servicemoduls ESM war weiter von der Erde entfernt als je ein für Menschen qualifiziertes Raumfahrzeug. Das gesamte Flugprofil wurde bei der Mission erstmalig getestet. Das ESM hat hervorragend funktioniert – damit ist die Technik grundsätzlich qualifiziert. Die Erkenntnisse fließen in die nachfolgenden Missionen etwa durch Anpassungen der Technik im Missionsbetrieb oder des Trainings für die Crews ein.

Angepasst werden musste beispielsweise der Hitzeschild der Orionkapsel. Dieser wurde beim Wiedereintritt der Kapsel beschädigt und musste entsprechend überarbeitet werden. Auch der Winkel für den Wiedereintritt wurde entsprechend verändert, damit die Wärmebelastung nicht zu hoch wird.

Was sind die nächsten Schritte? Was erhofft man sich von der Gesamtmission Artemis?

Der nächste Schritt wird mit der Artemis-III-Mission die Mondlandung mit Menschen sein. Es folgen der Aufbau der Raumstation Gateway und weitere Mondlandungen, um auf dem Mond nach und nach Fuß zu fassen. Mittel- bis langfristig soll eine Mondbasis aufgebaut werden.

Welche Herausforderungen müssen noch gelöst werden, auch im Hinblick auf eine mögliche künftige Marsmission?

Die Technologien müssen noch robuster werden. Ein dauerhafter und zuverlässiger Strahlungsschutz muss ebenfalls realisiert werden. Auch der Autonomiegrad muss deutlich erhöht werden: So müssen auf einer Marsmission, die zwischen 600 und 1.000 Tage dauern kann, alle menschlichen, medizinischen und technischen Probleme unterwegs gelöst werden, denn die Mission kann nicht einfach abgebrochen werden.

Kontakt

Diana Velden

Redakteurin
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
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