Asphalt für Ideen


Den Wenigsten, die über die A39 bei Braunschweig fahren, wird bewusst sein, dass sie gerade auf einem Forschungstestfeld unterwegs sind. Ungewöhnlich sind vielleicht nur die 71 acht Meter hohen Masten, die den Fahrbahnrand säumen. Ihre Sensoren erfassen anonymisiert alle Fahrzeuge, die sie passieren. Es ist ein Teil des sogenannten Testfelds Niedersachsen, einer bundesweit einzigartigen Modellregion, betrieben vom DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik. Seit 2020 wird hier auf 280 Kilometern automatisiertes Fahren im realen Straßenverkehr erprobt.
Dabei hilft Virtual Reality: Teile des Testfelds existieren nämlich auch als 3D-Simulation, in der Fahrzeuge oder Technologien zunächst virtuell ausprobiert werden können, bevor sie auf den Asphalt gelangen. Die Daten, die rund um die Uhr vom Testfeld eingehen, dienen beispielsweise als Grundlage, um neue Assistenzsysteme oder Kommunikationstechnologien zu entwickeln. Sie helfen aber auch dabei, die Simulationen zu verbessern, mit denen die Forschenden arbeiten. Das Testfeld kann sowohl von wissenschaftlichen Einrichtungen als auch von Interessenten aus der Industrie genutzt werden.
Der DVR setzt sich für die Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen ein. Ergebnisse aus praxisbezogenen Projekten wie dem Testfeld Niedersachsen sind für uns eine gute Grundlage für fundierte Beratung von Politik, Gremien und innerhalb unseres gesamten fachlichen Netzwerks.
Für zuverlässige Tests von Informations- und Kommunikationstechnologien im Bereich Smart Mobility ist eine Kombination aus Simulation und Versuchsfahrten auf realen Straßen optimal. Dafür haben wir mit dem Testfeld Niedersachsen eine Plattform direkt vor der Haustür.
Was war:
Im Projekt MAD Urban (Managed Automated Driving) demonstrierte das DLR Ende 2025 erstmals autonomes Fahren mit starker Unterstützung von Infrastruktur: Zwei Sensor-Säulen an einer Kreuzung in Braunschweig erfassten datenschutzkonform die Umrisse von vorbeifahrenden Objekten. Daraus erstellten sie ein Bild der Verkehrssituation. Näherte sich das DLR-Forschungsfahrzeug der Kreuzung, übernahmen die Rechner der Säulen wie Lotsen die Kontrolle, berechneten den sicheren Fahrweg und überwachten die Ausführung der Fahrmanöver. Danach übernahm die Automation des Fahrzeugs wieder die Steuerung.
Was kommt:
Ab 2026 wird das DLR in Braunschweig mit dem Bau eines modularen Remote Operation Centers für Straße, Schiene und Verkehrsmanagement beginnen. Hier wird in Zukunft die Fernüberwachung und -steuerung von Fahrzeugen, die sogenannte Teleoperation, erforscht. Es sollen Arbeitsplätze für verschiedene Automatisierungsgrade und Betriebsmodi zur Verfügung stehen, von der ereignisbasierten Teleassistenz bis zum direkten Fernlenken und -steuern. Ebenso werden hier unter Einbindung des Bedienpersonals neue Konzepte für Leitstände entwickelt und getestet. Die bereits vorhandene Infrastruktur des Testfelds Niedersachsen ist ideal, um die Teleoperation dann auch unter realen Bedingungen zu erproben.